Die ersten fünf Tage im Dezember ließen keine Langeweile aufkommen! Gleich am 1. 12. suchten wir den einzigen
Supermarkt von Falmouth, Kentucky (Einwohnerzahl 2058) auf, um herauszufinden, ob wir dort einen
zubereiteten Rinderbraten und heißen Schinken für die Morton Weihnachtsfeier am 5. Dezember bestellen
könnten. Eine Wohnmobilküche ist nicht unbedingt dafür geeignet, für 36 Leute zu kochen. Wir hatten teilweise
Glück: die Bestellung wurde entgegengenommen, aber eine Lieferung war nicht möglich und wir mussten den
Braten und Schinken am Samstag selbst abholen und zu dem gemieteten Saal, wo die Weihnachtsfeier stattfinden
sollte, transportieren. Als nächstes mussten wir unsere Wohnmobil- Aufliegerkupplung zur Reparatur bringen und
das bedeutete eine Fahrt ins 35 km entfernte Cynthiana, wo sie von der Ladefläche abmontiert wurde und zur
Reparatur dort blieb. Dann zurück nach Falmouth, wo wir Chucks Schwester, Kathryn, aufsuchten und im
Anschluss an diesen Besuch fuhren wir in die „Stadt“, d. h. in die Vororte von Cincinnati, wo die
Einkaufsmöglichkeiten bedeutend besser sind, als in der unmittelbaren Umgebung von Falmouth. Das waren hin
und zurück auch noch mal gut 120 km.
In dem Saal, den wir für die Weihnachtsfeier gemietet hatten, sollte zwar ein Weihnachtsbaum bereits
aufgestellt worden sein und einige weihnachtliche Dekorationen waren angeblich auch vorhanden, aber für
Tischdecken, Tischdekorationen und dergleichen waren wir verantwortlich. So sehr es uns als umweltfreundliche
Menschen auch widerstrebte, mussten wir Pappteller, Papierservietten, Styroporbecher und Plastikbesteck
kaufen, denn im Wohnmobil haben wir für so viele Leute nicht genügend Besteck und Geschirr dabei und die Küche
neben dem Saal war diesbezüglich auch nicht ausgestattet. Es gab zwar einen Herd, Mikrowelle, zwei
Kühlschränke, ein paar Töpfe und Geschirrtücher, aber alles andere mussten wir stellen. Wir erledigten unsere
Einkäufe und kehrten spätabends und todmüde zu unserem Campingplatz am Kincaid See, ein paar Kilometer
außerhalb von Falmouth, zurück.
Der nächste Tag verging hauptsächlich damit, Weihnachtsgeschenke zu verpacken und am Nachmittag rief der
Mann von der Werkstatt an, dass unsere Aufliegerkupplung fertig sei. Als wir sie tags darauf abholen wollten,
mussten wir einen riesigen Umweg machen, um nach Cynthiana zu gelangen. An der Ausfahrt vom Park stießen wir
auf einen Leichenwagen, der dort gerade wendete und dann vor uns herfuhr. Ein paar 100 m weiter mussten wir
wegen einer Totalsperrung der Landstraße anhalten. Der Leichenwagen schlängelte sich an den bereits
wartenden Fahrzeugen vorbei und hielt in der Kurve, wo ein Schulbus stand und ein völlig demolierter PKW. Ein
87-jähriger PKW-Fahrer hatte die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war auf die Gegenfahrbahn geraten
und mit dem Schulbus zusammengestoßen. Er war sofort tot. Sonst war niemand verletzt, der Schulbus war bis
auf die Fahrerin leer gewesen. Die Frau stand wohl unter Schock und hat noch am gleichen Tag ihren Dienst als
Schulbusfahrerin quittiert, wie wir später erfuhren.
Am Freitagnachmittag holten wir die Schlüssel für den gemieteten Saal ab und transportierten alle Geschenke,
Getränke, Chips und Dekorationen hin. Nach mehreren Stunden intensiver Vorbereitungen, zog Chuck los und
besorgte unser Abendessen im Supermarkt (Tiefkühl chinesisch) und wir wärmten es in der Küche auf. Als wir zu
später Stunde zum Wohnmobil zurückkehrten, habe ich noch eine Gemüseplatte und Chuck das „Chile con Queso“
für die Vorspeise fertig gemacht und dann fielen wir beide ziemlich geschlaucht in unsere Betten.
Der 5. Dezember bescherte uns Sonne mit Wolken, aber es war ziemlich kalt. Wir waren bereits um 11 Uhr vor
Ort, um das Gebäude aufzuschließen und die letzten Vorbereitungen zu treffen. Die Feier sollte um 13 Uhr
beginnen. Chuck fuhr kurz vorher los, um das Fleisch abzuholen. Seine älteste Schwester, Mary, traf als erste
ein. Sie war aus South Carolina mit dem Auto angereist. So nach und nach erschienen alle anderen von Chucks
Geschwistern, die, bis auf seinen Bruder, Joe, alle im nördlichen Kentucky wohnen. Joe kam etwas später. Er war
von Florida nach Cincinnati geflogen und dann mit einem Mietwagen nach Falmouth gefahren. Ein Cousin, Don, und
dessen Frau Linda kamen aus Louisville, Kentucky und brachten ihr Enkelkind mit. Michael kam mit Keith und Katja
aus Fort Wayne, Indiana, eine Fahrt von 395 km. Die meisten der Nichten und Neffen und deren Kinder waren
auch vertreten (siehe Fotos). Jeder brachte etwas zu essen mit, wie auch ein Geschenk für eine arme Familie.
Wir hatten von der zuständigen Sozialstelle Familie # 27 mit 4 Kindern im Alter zwischen 3 und 5 Jahren
zugeteilt bekommen. Man erfährt nie, um wen es sich handelt, aber da diese Familie zwei vierjährige Kinder
hatte, war es eine Familie mit einem Zwillingspaar. Die Wunschliste für die Kinder war ausnahmslos abgedeckt mit
Kleidung, Schuhen und Spielsachen und auch die Eltern wurden nicht vergessen.
Nachdem das Buffet angerichtet war, begann das Festtagsmahl und als alle gesättigt waren, wurden kleine
Geschenke untereinander verteilt. Chuck und ich hatten für jeden Andenken von unseren Reisen des vergangenen
Jahres mitgebracht, hauptsächlich kunstgewerbliche Sachen aus den verschiedenen Regionen, die wir 2009
besucht haben. Ein großes Einweckglas mit einer „Indian Fry Bread“ Mischung (indianisches, frittiertes
Fladenbrot), dem dazugehörigen Rezept und alle Deckel geschmückt mit einem von mir gestickten Überzug, auf
dem „Morton Christmas 2009” stand, hatten wir in Weihnachtstüten um den Weihnachtsbaum drapiert (siehe
Fotos). Auch wir wurden beschenkt und da es sich dabei nie um „richtige“ Geschenke handelt (die sind seit etlichen
Jahren für die notdürftigen Familien bestimmt), waren es meist sehr persönliche, selbstgemachte
selbstgekochte/gebackene, eingeweckte oder anderweitig selbstkreierte Gaben.
Der Nachmittag verging mit plaudern, essen, trinken, fotografieren und die jüngsten, neuen Enkelchen bewundern.
Katja spielte mit ihren Cousinen und wir bekamen sie kaum zu Gesicht. Trotz der immer noch ziemlich frischen
Temperaturen, war die Jugend meistens draußen. Keith hielt sich hauptsächlich an die Erwachsenen und das
Buffet . Lobo wurde kräftig verwöhnt, bekam viele Streicheleinheiten und wahrscheinlich auch allerhand zu
futtern. Wir hatten auch einen Eimer für Tellerreste für ihn aufgestellt und er kam somit noch eine Woche lang
danach in den Genuss von Dingen, die er sonst kaum in seiner Schüssel findet.
Der Nachmittag verging wie im Fluge und dann war es soweit alles einzupacken und den Saal aufzuräumen. Dabei
hatten wir viel Hilfe und es ging recht schnell. Michael und die Kinder fuhren noch am selben Abend zurück nach
Fort Wayne und auf halber Strecke rief Michael an und erzählte, dass es Keith im Auto schlecht geworden sei. Er
hatte wohl ein wenig zu oft am Buffet gestanden!
In der Nacht zum Sonntag fror unsere Wasserleitung am Wohnmobil ein, was unsere Abfahrt zum Resteessen bei
Kathryn etwas verzögerte. Chuck hatte ziemliche Mühe, alles aufzutauen und die nötigen Vorkehrungen zu
treffen, damit das nicht wieder passiert. Chucks Brüder, Joe und Jim, seine Schwester, Patty und ihr Mann, Roy
wie auch Kathryns Sohn, David hatten sich eingefunden und wir schmausten noch einmal an all den leckeren Sachen
von der Weihnachtsfeier. Auch diesmal schafften wir es nicht, alles aufzuessen und was dann noch übrig blieb,
wurde verteilt, mit nachhause genommen und eingefroren.
Wir blieben noch bis zum 12. Dezember in Falmouth. An einem dieser Tage fuhren wir nach Florence, Kentucky
und besuchten Chucks Bruder, Tom und dessen Frau, Susan. Ihre Katzen beobachteten Lobo sehr genau, während
wir dort waren, aber es gab keinen Zank. Zum Abendessen wurden wir von Tom und Susan ins „Red Lobster“
Restaurant eingeladen, wo wir uns an einer reichen Auswahl von Meeresfrüchten erfreuten. Es hatte den ganzen
Tag geregnet und die Rückfahrt zum Campingplatz war recht unangenehm. Starke Windböen sorgten für
Stromausfall über Nacht und die Temperaturen sanken drastisch und blieben bis zu unserer Abfahrt unter dem
Gefrierpunkt. An einem anderen Tag besuchten wir einen Jugendfreund von Chuck und zwischendurch kümmerten
wir uns um die Weihnachtspost und bereiteten uns für die Abreise vor. Am Freitagnachmittag machten wir unsere
Abschiedsbesuche bei den ortsansässigen Geschwistern und am Samstag ging die Reise weiter nach Lexington,
Kentucky, wo wir uns für 4 Tage auf dem Campingplatz im Kentucky Horse Park und Messegelände einmieteten.
Das Leitungswasser an den Stellplätzen war über den Winter abgestellt, aber wir hatten Stromanschluss und
unser Frischwassertank im Wohnmobil war bei Ankunft voll. Unser Stellplatz war inmitten der „Southern Lights“,
einer weihnachtlichen Mega-Lichtershow (siehe Fotos), die jeden Abend sehr gut besucht war. PKWs zahlten $15,
Minibusse, Vans, Stretch-Limousinen, etc. je nach Größe bedeutend mehr. Für uns war es gratis, weil wir in dieser
Lichterpracht „wohnten“ und unsere Campinggebühren das mit abdeckten.
Der Hauptgrund für unseren Besuch in Lexington war unsere Satellitenanlage fürs Internet, die dringend
reparaturbedürftig war. Die Schüssel ließ sich schon seit einiger Zeit nicht immer automatisch einfahren, blieb
hängen und/oder musste ständig neu kalibriert werden, wenn wir den Standort wechselten. Leider stellte der
Sachverständige am nächsten Tag fest, dass der Defekt nur in der Fabrik behoben werden kann und die befindet
sich in Salt Lake City, Utah. Somit werden wir uns wohl noch eine Weile gedulden müssen, bis wieder alles
automatisch und ohne Chucks Eingreifen läuft, denn wir wollen jetzt nicht alles abmontieren und nach Salt Lake
City schicken. Im Frühjahr können wir nach Utah fahren und dann kann die Reparatur dort getätigt werden, ohne
Abmontage, Versand etc.
Lexington ist ein Zentrum der Pferdezucht und wird als die „Pferde-Hauptstadt der Welt“ bezeichnet; sie liegt
mitten im Bluegrass und ist nach Louisville flächenmäßig die zweitgrößte Stadt in Kentucky. Der „Thoroughbred
Park“ (Englisches Vollblut Park) mit Bronzeskulpturen von Gwen Reardon gibt Zeugnis von Lexingtons
Pferdeverbundenheit (siehe Fotos). Nach unserem Besuch im Thoroughbred Park besuchten wir Marikkas, ein
deutsches Restaurant mit wohl dem größten Sortiment an internationalen Biersorten, dem wir bisher begegnet
waren. Wir hielten uns an die Münchner Biersorten und von der Speisekarte wählten wir Zigeunerschnitzel
(Chuck) und Sauerbraten (Renée). Das Essen war ganz gut und wir hatten dazu eine riesige Brezel, aus München
importiert, aber in Lexington gebacken. Sie war okay, aber in München sind sie besser!
Als wir am 16. Dezember Lexington verließen, hatten wir Sonnenschein, aber das Thermometer schaffte es nicht
über den Gefrierpunkt zu klettern. Wir fuhren in südöstlicher Richtung (siehe Reiseroute) bis Winchester und
dann auf dem „Bert T. Combs Mountain Parkway“, einer 4-spurigen landschaftlich reizvollen Schnellstraße, bis zum
Natural Bridge State Park, wo wir campen wollten. Der Campingplatz im State Park war jedoch über den Winter
geschlossen, eine Tatsache, die auf der Webseite des Parks nicht ersichtlich war. Ein zweiter Campingplatz im
Koomer Ridge National Forest hatte keine Anschlüsse und war zu stark bewaldet für Internetempfang und somit
fuhren wir weiter über Kentucky Highway 15 Süd bis Jackson und über Highway 52 West bis Elkatawa, dem
Geburtsort von Chucks Vater. Chucks Großvater war dort um 1906 als presbyterianischer Missionar eingesetzt
gewesen, als Chucks Vater zur Welt kam. Eigentlich hatten wir vorgehabt, einen Tagesausflug ohne Wohnmobil
vom Natural Bridge State Park aus dorthin zu machen, aber nun waren wir mit dem kompletten Gespann dort
angekommen und konnten auf den ersten Anhieb keinen Halteplatz finden. Der Ort befindet sich in einem engen
Tal und wir konnten nicht wenden und mussten weiterfahren, immer auf einen Parkplatz hoffend, der aber
ausblieb. Eine presbyterianische Kirche konnten wir auch nicht entdecken und uns blieb nichts anderes übrig, als
weiterzufahren. Nach einigen Kilometern endete der Ort, das Tal blieb eng und wir fuhren weiter, durch
mehrere Ortschaften und bis Beattyville, wo wir endlich aus dem engen Tal heraus waren. Es war schon fast
dunkel, einen Campingplatz gab es nicht und als wir einen freien Platz entdeckten, hielten wir an und riefen den
Sheriff an und fragten, ob wir dort übernachten dürften. Man schickte uns einen Streifenwagen vorbei, der
Polizist begutachtete den Sachverhalt und meinte dann, wir sollten seine Dienststelle benachrichtigen, sollte der
Eigentümer des Grundstücks Einwände haben, dass wir dort die Nacht verbringen. Gegebenenfalls würden sie
uns dann einen anderen Stellplatz finden. Damit verabschiedete er sich und wir ließen uns häuslich nieder. Lobo
ging es den ganzen über Tag nicht gut und fressen wollte er an diesem Abend auch nicht. Wir aßen unser
Abendbrot und als wir ins Bett gehen wollten, stellten wir fest, dass sich unterwegs ein elektrisches Kabel zu den
Nachttischlampen neben unseren Betten gelockert hatte. Chuck beschloss, es erst am nächsten Morgen zu
reparieren. Die Nacht verlief ohne Zwischenfälle und als wir am nächsten Morgen aufwachten, schien die Sonne
und die Temperatur betrug -1°C. Nach dem Frühstück machte sich Chuck daran, das bereits erwähnte Kabel zu
reparieren, aber er bemerkte nicht, dass die Nachttischlampe auf seiner Seite des Bettes angeschaltet war und
sein Kissen berührte. Nachdem die Reparatur beendet war und ich wenig später ins Schlafzimmer ging, um die
Betten zu machen, schlug mir Qualm entgegen, als ich die Tür öffnete. Zuerst dachten wir, der Rauch komme von
unter dem Bett, dort wo Chuck das Kabel repariert hatte, aber wir merkten schnell, dass es sich um ein
schwelendes Kissenfeuer handelte, das wir Gott sei Dank schnell löschen konnten. Nur der Gestank hielt noch
eine Weile an.
Eigentlich war Beattyville nicht auf unserer geplanten Reiseroute gewesen und nun mussten wir durch das enge
Tal nach Elkatawa zurück, um von dort aus unsere Route in Richtung North Carolina wieder aufzunehmen. Diesmal
fanden wir ein Geschäft in Elkatawa mit einem kleinen, freien Platz vor dem Gebäude, das wir am Tag zuvor
übersehen hatten. Wir hielten an und erkundigten uns bei dem Eigentümer nach einer presbyterianischen Kirche.
Der Ort schien zwar mehr Kirchen als Einwohner zu haben, aber eine presbyterianische war nicht mit dabei. Die
missionarischen Bemühungen von Chucks Großvater scheinen keine Früchte getragen zu haben. Ein altes Foto aus
der Missionarszeit scheint das einzige zu sein, was von dieser Kirche übrig geblieben ist (siehe Fotoalbum). Bei
dieser Gelegenheit erfuhren wir jedoch, wie die Einheimischen „Elkatawa“ aussprechen: „Elkatoi“.
Unsere Reise an diesem Tag führte uns durchs Bergland im südöstlichen Kentucky und über Hazard, Whitesburg
und US Highways 119 und 23 erreichten wir Virginia. Auf US Highway ALT 58 fuhren wir weiter bis Abington, wo
wir eine Nacht im Riverside Campingplatz verbrachten. Da ein Schneesturm im Anmarsch war und wir noch die
Appalachen überqueren mussten, bevor wir North Carolina erreichen würden, machten wir uns am nächsten
Morgen zeitig auf den Weg. Schnee war erst für den späten Nachmittag vorhergesagt und bis dahin würden wir
in North Carolina, außerhalb der Schneegefahrenzone sein. Aber wir kamen nicht weit, bevor die ersten Flöckchen
fielen. Die Meteorologen hatten sich um gut sechs Stunden geirrt. Wir beschlossen, nicht die direkte Route über
die Landstraße durch die Berge zu nehmen, sondern die Autobahn, in der Hoffnung, dass die Straßenverhältnisse
besser sein würden: Autobahn I-81 Nord bis I-77 Süd und auf Letzterer über die Blue Ridge Gebirgskette der
Appalachen. Es wurde eine Höllenfahrt! Beim Überqueren der Blue Ridge Mountains steckten wir voll in einem
Blizzard. Die Scheibenwischer vereisten ständig und wir mussten halten und sie vom Eis befreien. Irgendwann
fingen die Bremsen an komische Geräusche von sich zu geben, weil wir die Bremsscheiben verloren hatten. Der
Schneesturm reichte weiter südlich, als vorhergesagt worden war und wo in Virginia auf der I-81 noch fleißig die
Schneepflüge im Einsatz waren, war auf der I-77 kein Schneepflug in Sicht. Dort war man nicht darauf
vorbereitet gewesen! Als wir Winston-Salem in North Carolina erreichten, schneite es immer noch und erst kurz
nach Greensboro hörte es endlich auf. Wir schafften es völlig erschöpft bis Siler City, wo wir uns auf einen Wal-
Mart Parkplatz stellten und übernachteten. Von dort aus war es nicht mehr weit bis zu unserem Ziel, Smith Lake,
dem Erholungsgebiet von Fort Bragg außerhalb von Fayetteville, North Carolina, wo wir Weihnachten und Silvester
verbringen wollten. Am 19. Dezember gegen 13:30 Uhr erreichten wir den Campingplatz in einem Kiefernwald am
Ufer des Smith Sees und belegten Stellplatz # 7. Den 4. Advent verbrachten wir auf dem Campingplatz und
ruhten uns aus von den Strapazen der vorausgegangenen Tage. Gleich am Montagmorgen brachte Chuck unseren
Truck in die Werkstatt, um neue Bremsen einbauen zu lassen. Er wurde zum Campingplatz zurück gebracht und
auch am Tag darauf wieder abgeholt, als der Wagen fertig war.
Die Angestellten vom Smith Lake Campingplatz schenkten allen Campern eine Weihnachtskarte,
Weihnachtsplätzchen und eine Weihnachtsdekoration für den Christbaum. Eine nette Geste, die mich dazu
veranlasste, ihnen im Gegenzug eine meiner selbstgebastelten Karten vorbeizubringen, die dann bis nach Silvester
in der Rezeption an der Kasse hing.
Nachdem wir wieder mobil waren, versuchten wir am 23. Dezember noch eine Weihnachtsgans zu finden, aber da
waren wir zu spät dran oder wir versuchten es in den falschen Geschäften, da wir uns in Fayetteville nicht
auskannten. Also wurde aus der Gans eine Ente, weil wir keinen Truthahn wollten. Keine schlechte Wahl, schmeckt
fast wie eine Gans, wenn man sie wie eine solche zubereitet.
Hl. Abend war sonnig und wir hatten milde Temperaturen. Der Tag verging mit vielen und langen Telefonaten,
hauptsächlich mit Deutschland. Chuck fühlte sich nicht gut und fuhr zur Apotheke, um die Sache im Keim zu
ersticken. Am Abend ging es ihm dann auch wieder etwas besser und wir konnten gemeinsam unser Abendessen
bei Kerzenschein genießen. Ein Weihnachtsabend mitten in der Natur, der See schimmert durch die hohen
Kiefern, Rehe laufen durch den Wald und ein wolkenloser Sternenhimmel überdacht diese Idylle; da kommt eine
weihnachtliche Stimmung auf, die wir in unserem „früheren“ Leben nie kannten.
Am Weihnachtstag war von Idylle keine Rede mehr. Es goss den ganzen Tag wie aus Kübeln und wir wurden fast
in den See gespült. Unsere als Gans verkleidete Weihnachtsente schmeckte sehr gut und es gab Knödel und
Blaukraut dazu.
Zwischen den Jahren waren wir mit Lobo beim Tierarzt, um seine Tabletten zu besorgen. Es geht ihm jetzt
manchmal ziemlich schlecht, was die Fortbewegung angeht. Seine Laborwerte sind zwar optimal, aber sein
Hinterteil ist an manchen Tagen so schwach, dass er kaum laufen kann oder umkippt. Wenn er sein großes
Geschäft macht, ist er schön öfters zusammengebrochen und einmal sogar auf der Kacke gelandet. Neulich
Abend musste er sein großes Geschäft im Liegen machen, weil er nicht wieder hochkam, nachdem seine
Hinterläufe den Dienst verweigert hatten. Er ist auch oft verwirrt und weiß dann nicht, was Sache ist. Aber
zwischendurch geht es ihm auch mal wieder ganz gut und der Tierarzt meinte, wir könnten unter diesen
Umständen noch ein Weilchen warten, bis wir den Entschluss zum Unvermeidlichen fassen, sollte er nicht von
alleine einschlafen.
Am 30. Dezember besuchten wir unsere ehemalige Nachbarin aus Stafford, Marjorie Ludwig. Sie wohnt seit
einiger Zeit in Pinehurst, North Carolina, nicht weit entfernt von Fayetteville und ist zwischenzeitlich wieder
verheiratet, nachdem ihr erster Mann vor etlichen Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Wir
lernten bei dieser Gelegenheit ihren zweiten Man, Jan, kennen, ein pensionierter College Professor, begeisterter
Golfer und Hobby Antiquitäten- und Büchersammler. Die beiden gaben sich rührend Mühe um uns, zeigten uns ihr
wunderschönes, antiquitätenbestücktes, neues Haus, das direkt am Rande einer der herrlichen Golfplätze von
Pinehurst steht, wie auch den Ort selbst, das Clubhaus, die Golfplätze, etc. (siehe Fotoalbum). Pinehurst (< - -
bitte anklicken) ist eine ungewöhnliche Planstadt, insofern als die Wohnviertel so angelegt sind, dass möglichst
viele Häuser direkt am Rande der Grünflächen liegen. Die Häuserpreise reflektieren die Lage sehr anschaulich.
Liegt das Haus direkt am Golfplatz, dann sind die Preise weit höher, als für ein Haus auf der gegenüberliegenden
Straßenseite. Kinder sieht man in diesem Umfeld kaum, außer zu Weihnachten oder während der Ferien, wenn sie
ihre Großeltern besuchen, denn die Anwohner sind fast alle gut situierte Pensionäre, die dem Golf verfallen sind.
Seit einiger Zeit gesellen sich auch Tennisspieler zu den Golfern, denn Pinehurst lockt mit mehreren neuen
Tennisanlagen. Für Anhänger des Pferde- oder Trabrennsports ist mit einer Trabrennbahn (<- - bitte anklicken
[englisch]) auch gesorgt.
Nach einer interessanten Stadtführung luden uns Marjorie und Jan in dem sehr eleganten Clubhaus zum Imbiss
ein und am späten Nachmittag verabschiedeten wir uns von den beiden und kehrten in unser bescheidenes
Campingmilieu zurück.
An Silvester hatten wir vormittags einen Arzttermin für einige Vorsorgeuntersuchungen und, das nehme ich dem
Januar Reisebericht schon mal vorweg, alle Laborwerte waren super! Unsere Rezepte für das kommende Jahr
wurden auch ausgestellt und für mich wurde in der ersten Januarwoche ein Termin zur Mammografie und ein
weiterer Termin für eine Knochendichtemessung angesetzt.
Unser Silvesterabend verlief ruhig und friedlich, ohne großes Getöse. Wir waren ja im Wald, da war auch kein
Geböller und Feuerwerk erlaubt. Ich bin dann in der Früh um 2 Uhr noch joggen gegangen, da ich den ganzen Tag
über nicht dazu gekommen war. Damit habe ich das neue Jahr schon mal sehr gut begonnen und ich hoffe, dass die
guten Vorsätze das ganze Jahr über anhalten . Ich hatte mit dem Joggen mal eine Weile aufgehört, wegen
der Sache mit der abgetrennten Netzhaut im Frühjahr und als ich dann im Sommer wieder anfangen wollte, habe
ich mir gleich einmal den Knöchel verstaucht und dann war etwas mit meinem Knie. Aber seit einiger Zeit bin ich
wieder voll dabei und so langsam geht es auch wieder besser, ohne gleich nach 100 m zu schnaufen wie eine
Dampfwalze.
Das Jahr 2009 klang bei klarem Himmel und mit für North Carolina ungewöhnlich kalten Temperaturen (< 0°C) aus.
Fortsetzung folgt…..




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,,Das Reisen ist der Mortons Lust"
Reisebericht Dezember 2009
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Reisebericht Dezember 2009 (beginnt in Falmouth, Kentucky)
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