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,,Das Reisen ist der Mortons Lust"
Reisebericht August 2009
Unser Reisegebiet
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Der August begann mit einer Party! Wie wir bereits im Juli Reisebericht erzählten, waren wir dazu von einem
Herrn in der Gemeindeverwaltung eingeladen worden, als ich dort unsere Campinggebühren bezahlte. Er stellte
sich nur als „Peter“ vor, aber später ermittelten wir auch seinen Nachnamen, „Boyenko“. Das Fest war nicht
öffentlich von der Stadt Vonda, wie ich angenommen hatte, sondern ein privates Strandfest, das jedes Jahr
einmal stattfindet. Das Vonda Strandfest wäre wahrscheinlich wirklich toll geworden, wenn kein schlimmes
Gewitter gekommen wäre.
Aber ich will der Reihe nach erzählen:
Die Fete begann am Samstag spätnachmittags. Um an den See zu kommen, fuhren wir 5 km auf einem Feld /
Schotterweg, der gut zu fahren war, da er trocken war. Der See liegt wunderschön und gehört zu Peters
Ländereien Er hatte für das Fest sein Wohnmobil dort aufgestellt, ein riesiger Tanzboden ist der Überrest
eines Tanzschuppens aus seiner Jugend und alles war schön hergerichtet mit Lampions, Tischen, Bänken und
Pavillons. Alle aus dem Ort waren eingeladen und sie kamen und gingen, je nach Lust und Laune. Uns war es zu
kalt, um ins Wasser zu gehen, aber andere waren nicht so zimperlich. Es gab Wein, Bier und auch harte Sachen
und aus den Büschen kamen Gerüche von Gegrilltem. Wir waren ziemlich der Hit als wir ankamen und mussten von
unseren Reisen erzählen. Wir saßen unter der Markise des Wohnmobils mit Peter und seiner Frau und deren
Bruder und Schwägerin (siehe Fotoalbum). Die ältere Generation gruppierte sich um uns und wir unterhielten uns
sehr nett. Lobo wanderte durch die Gegend und bekam überall Streicheleinheiten. Chuck ging auch mal mit ihm
zum See hinunter (etwa 200 m) damit er ins Wasser gehen konnte, aber er ging nur knietief rein und kam wieder
raus. Dann kam das Gewitter. Es stürmte zuerst schrecklich, dass man Angst haben musste, die ganzen Pavillons
und Dekorationen fliegen weg. Dann begann es zu schütten! Eine Gruppe Jugendlicher kam gerade an und warnte,
dass der Weg zum See an manchen Stellen bereits sehr schwer zu passieren sei, von wegen Schlamm und
Überschwemmung. Peter witzelte, dass wir alle dort übernachten müssten. Einige der Gäste bekamen Angst
(besonders die ohne Allradantrieb in ihren Fahrzeugen) und verabschiedeten sich. Da ich die Fenster in unserem
Wohnmobil offen gelassen hatte, beschlossen auch wir loszufahren und gegebenenfalls die Leute aus dem
Schlamm zu ziehen, die stecken geblieben waren, denn wir haben Allradantrieb. Wir kamen ganz gut durch und
wir fanden auch niemanden, der in Schwierigkeiten geraten war. Als wir zum Campingplatz zurückkamen, hörte es
auf zu regnen, aber alles dort war ziemlich matschig. Reingeregnet hatte es ins Wohnmobil Gott sei Dank nicht.
Das große Fenster hinter dem Computer, das weit offen war, stand in der Schattenseite des Regens und die
anderen Fenster haben alle Markisen darüber (die von den Windböen vor dem Gewitter glücklicherweise nicht
beschädigt worden waren). Also stand die Bude nicht unter Wasser aber unser Vonda Strandfest fiel weit
kürzer aus, als wir erwartet hatten.
Am nächsten Tag machten wir uns reisefertig und am Montag (3. August) verließen wir Vonda. Es war ein
kanadischer Feiertag (Civic Holiday), die Tankstelle im Ort war geschlossen und wir konnten nur hoffen, dass wir
unterwegs bald auf eine Tankstelle stoßen würden, die auch an Feiertagen offen hatte. Über Saskatchewan
Highway 27 (Schotterstraße) erreichten wir kurz nach Prud’homme die Hauptstraße Highway 2 nach Price Albert.
Diese „Hauptstraße“ war so unglaublich schlecht, dass wir liebend gerne wieder auf der Schotterstraße gefahren
wären. In Wakaw fanden wir eine offene Tankstelle und dann ging es bis Prince Albert (< - - bitte anklicken), wo
wir uns im Besucherzentrum mit Prospekten eindeckten. Zwei kleine Museen gleich daneben erweckten unser
Interesse und wir legten eine Pause ein, um ihnen einen Besuch abzustatten.
Das eine war ein Schulmuseum (siehe Fotoalbum) und befasste sich mit der Entwicklung der Schulbildung in
Saskatchewan, das andere war ein Polizeimuseum.
Wir waren äußerst betroffen über die kanadischen Strafvollzugsmethoden, die sogar noch in den 1960er Jahren
angewendet wurden (siehe Fotoalbum)! Irgendwie wurde in diesem Museum unser gesamtes Kanadabild, das wir
in uns getragen hatten, über den Haufen geworfen.
Nach dem Museumsbesuch überquerten wir den North Saskatchewan Fluss im Stadtgebiet von Prince Albert und
bogen auf Highway 55 (Ost) ab, auf welcher wir Weirdale erreichten. Die Strecke von Vonda nach Weirdale
betrug nur 163 km, aber es schien mindestens doppelt so weit, wegen des, mit wenigen Ausnahmen, schlechten
Zustands der Straßen.
Chuck hatte ein paar Tage zuvor erfolglos versucht, die Gemeinde in Weirdale zu erreichen, um Erkundigungen
über den Campingplatz einzuholen. Er fand die Telefonnummer eines Ladens im Ort, rief stattdessen dort an und
erhielt von einer netten Frau die erfreuliche Nachricht, dass der Campingplatz leer sei. Sie beschrieb auch, wie
wir den Campingplatz finden würden und wenn wir irgendwelche Schwierigkeiten haben sollten, dann könnten wir
bei ihr im Laden/Postamt vorbeikommen.
Wie oft in Saskatchewan, ließ die Beschilderung einiges zu wünschen übrig. Das Campingschild am Ortseingang
wies nach rechts, die Frau vom Postamt hatte gesagt wir sollen links abbiegen und zur Ortsmitte fahren. Wir
vertrauten ihrer Aussage mehr, als den Schildern und fanden auch die Ortsmitte und das Postamt, aber keinen
Campingplatz. Nachdem wir eine Runde durch den Ort gedreht hatten, beschlossen wir zum Postamt
zurückzufahren. Es war geschlossen! Ich wollte gerade wieder in den Truck einsteigen, als eine Frau und ein
Mann aus einer Hintertür kamen und ihre Hilfe anboten. Es stellte sich heraus, dass dies die Frau war, mit der
Chuck telefoniert hatte. Sie zeigte uns den Campingplatz, der nur zwei Straßen weiter und fast direkt hinter
dem Postamt lag und wir fuhren hin. Es war ein netter, kleiner Park mit einem Spielplatz, einem Campingplatz mit
vier Stellplätzen am Waldrand, ein paar Pavillons im Blockhüttenstil (siehe Fotoalbum), ein Plumpsklo,
Picknicktischen und ein überdachter Brot/Pizzabackofen aus Lehm. Ein kleines Schild forderte dazu auf, die
Campinggebühr von $ 8,00 pro Nacht entweder im Hotel oder beim Postamt zu entrichten. Die Stromversorgung
war etwas schwach, der Wasserhahn war abgedreht und das Einparken war sehr schwierig, da die Stellplätze so
angelegt waren, dass man rückwärts, mit einem Gespann so lang wie unserem, nicht einparken konnte. Folge
dessen parkten wir am letzten Stellplatz entlang des Parkweges und versuchten so gut wie möglich diesen frei zu
halten. Es war ein kompliziertes Manöver und wir waren immer noch nicht fertig, als die Frau vom Postamt
erschien. Sie stellte sich als Rolena vor und hieß uns offiziell in Weirdale willkommen. Sie überreichte uns fürs
Abendessen einen Topf mit einem Kartoffelgericht aus frisch geernteten Kartoffeln von ihrem Garten. In
Saskatchewan wird man gut durchgefüttert, wie wir ja schon in Vonda festgestellt hatten!
In der darauf folgenden Unterhaltung stellte sich heraus, dass der Campingplatz von Weirdale nur selten
besucht wird. Wir machten sie darauf aufmerksam, dass das Schild auf der Hauptstraße in die andere Richtung
deutet. Sie sagte, dass dort ein privater Campingplatz sei. Sie hatte nie bemerkt, dass der Campingplatz der
Gemeinde nicht ausgeschildert war. Na, kein Wunder, dass nie jemand zum campen nach Weirdale kam, denn
obwohl der Campingplatz im Saskatchewan Campingführer eingetragen ist (allerdings ohne Wegbeschreibung oder
Adresse), wird jeder potentielle Camper an der Hauptstraße anhand der Schilder in die andere Richtung zu dem
privaten Campingplatz geschickt. Hätte Chuck nicht angerufen, wären auch wir dort gelandet.
Das Problem mit dem abgestellten Wasserhahn konnte leicht gelöst werden, denn nicht weit entfernt, war das
Pumphaus der Gemeinde und der Wasserhahn dort funktionierte. Da der Campingplatz keine
Entsorgungsmöglichkeiten für Abwasser anbot, Chuck aber einen Gulli beim Pumphaus entdeckt hatte, holte
Rolena beim Bürgermeister für uns die Erlaubnis ein, dass wir dort unsere Abwassertanks entleeren. Da die
anderen Stellplätze nicht belegt waren, versorgten wir uns mit extra Strom an mehreren Steckdosen und damit
waren alle Voraussetzungen für einen perfekten Aufenthalt in Weirdale gewährleistet, dachten wir! Doch als wir
unsere Satellitenschüssel hochfuhren, stellte sich heraus, dass wir nun zu weit nördlich waren und unserer
Satellitenausleuchtzone für Internetempfang verlassen hatten. Chuck kontaktierte unseren Anbieter in USA, um
uns auf einen anderen Satelliten umstellen zu lassen, aber der Satellit, den man uns gab, reichte so weit nördlich
auch nicht und etwas Besseres hatten sie nicht anzubieten. Damit waren wir bis auf weiteres mehr oder weniger
incommunicado, sofern wir nicht auf WLAN Hotspots stießen. Auch telefonisch waren wir nur noch gelegentlich zu
erreichen, denn abgesehen von den horrenden Preisen, die unser Mobilfunkanbieter in den USA während unseres
Kanadaaufenthaltes für die auf unserem Handy ein- und ausgehende Telefonate abkassierte, wenn wir denn nicht
im Funkloch saßen, geschah Letzteres immer öfter, je weiter wir nach Norden vordrangen.
Unsere erste Nacht in Weirdale war ziemlich kalt und auch tagsüber kletterte das Thermometer nicht höher als
17°C. Morgens regnete es und erst am Nachmittag lockerte es etwas auf. Am Abend kamen uns Rolena und ihr
Mann, Jim, besuchen und wir plauderten ein Weilchen mit ihnen. Am nächsten Tag fuhren wir zum Prince Albert
Nationalpark und nahmen unseren Laptop mit, in der Hoffnung unterwegs auf einen Hotspot zu stoßen, damit wir
unsere E-mails herunter laden könnten. Wir ließen das Net Stumbler Programm laufen und plötzlich, mitten in der
Pampas, fand es eine WLAN Verbindung. Wir hielten vor einem einsamen Haus an und konnten unsere E-mails
abrufen. Danach ging die Fahrt weiter zum Nationalpark, wo wir mit Lobo in Waskesiu am See spazieren gingen
(siehe Fotoalbum), anschließend durch den Ort bummelten und auf der Rückfahrt ein Picknick auf einem
Aussichtshochstand hatten (siehe Fotoalbum). Vom Park aus fuhren wir nach Prince Albert, um uns die Altstadt
anzuschauen, ein paar Einkäufe zu machen und zum Abendessen zu gehen.
Der Donnerstag (6. August) war immer noch kühl, wir blieben in der Umgebung von Weirdale. Chuck holte morgens
unsere Fahrräder vom Ständer am Wohnmobil herunter und führte ein paar Wartungsarbeiten an ihnen durch. Er
war immer noch draußen, als ein Schuss fiel. Ich rannte hinaus, um zu sehen, was passiert war. Chuck dachte der
Schuss kam aus dem Wald. Da wo ich war, hatte es sich so angehört, als ob er aus einem der gegenüberliegenden
Häuser gekommen war. Ein Mann kam aus einem der Häuser angerannt und wollte wissen, was der Knall war.
Jeder dachte, er kam aus einer anderen Richtung und nach einer Weile gaben wir auf, zu versuchen das Rätsel zu
lösen. Später, als ich mit meinem Fahrrad losfahren wollte, löste sich das Rätsel dann ganz von alleine. Mein
Fahrradreifen war „explodiert“, nachdem Chuck die Reifen aufgepumpt hatte und auch eine Testrunde damit
gedreht hatte.
Große Aufregung um nichts!
Ich ging deshalb zu Fuß, um Rolena und Jim in ihrem Spirituosenladen / Postamt (siehe Fotoalbum) zu besuchen.
Sie wohnen im hinteren Teil des Hauses und ich saß bei Rolena in der Küche und wir unterhielten uns lange. Ich
habe viel über Kanada und Saskatchewan von ihr gelernt. Rolena und ihr Mann sind sehr künstlerisch veranlagt
und sie zeigte mir Schmuck und kunstgewerbliche Sachen, die sie gemacht und im Internet verkauft hatten. Jim
schenkte mir eines seiner Werke, einen Anhänger aus Hirschgeweih und Rolena hatte gerade Brot gebacken und
gab mir einen halben Laib mit auf den Weg, wie auch ein paar Tipps, was wir uns in der näheren Umgebung
anschauen sollten. Einer ihrer Vorschläge war ein Teich gleich außerhalb des Ortes, dessen Wasseroberfläche
bergauf zu gehen scheint. Eine optische Täuschung, die fotografisch sehr schwer festzuhalten ist, aber wir haben
es versucht (siehe Fotoalbum). Danach versuchte ich Lobo an einem Spaziergang zu interessieren und pflückte
dabei einen schönen Wiesenblumenstrauß (siehe Fotoalbum).
Tags darauf fuhren wir zum Candle See (siehe Fotoalbum) und anschließend nach Prince Albert, um einen neuen
Fahrradschlauch zu besorgen. Am Abend holte mich Rolena ab und wir fuhren ein paar Kilometer zu einer leichten
Anhebung außerhalb des Ortes. Sie versprach mir einen tollen Sonnenuntergang und es wurde ein umwerfendes
Erlebnis (siehe Fotoalbum)!
Am Samstag, 8. August, machte ich eine Radtour um den Ort, nachdem Chuck den Fahrradschlauch ausgewechselt
hatte. Chuck blieb mit Lobo zurück, da Letzterer nicht mehr so schnell laufen kann. Auf dem Rückweg fuhr ich am
Postamt vorbei, weil mir Rolena von einem Polkafest erzählt hatte, das im Nachbarort, Meath Park, jedes Jahr
stattfindet, bei welchem sie Freiwilligenarbeit leistet. Wir hatten versprochen zu kommen und ich kaufte die
Eintrittskarten bei ihr. Die Einnahmen kommen den Schulen von Weirdale und Meath Park zugute. Dieses
Polkafest ist eine Art Wanderzirkus: ältere Leute, die gerne tanzen und reisen, fahren Anfang des Sommers von
British Columbia aus in ihren Wohnmobilen los, durchreisen Alberta und Saskatchewan und mieten unterwegs
Eisstadien oder Turnhallen, die dann für Tanzveranstaltungen entsprechend umgerüstet werden. Vorort leisten
Schüler und Erwachsene Freiwilligenarbeit. Musikkapellen werden entweder in der jeweiligen Stadt organisiert
oder sie reisen mit. Unterwegs schließen sich weitere tanzfreudige, reiselustige Leute an, andere verlassen die
Gruppe auch wieder und so bewegt sich das „Polkafest“ von Ort zu Ort und es ist, besonders in den kleineren,
meist recht abgeschiedenen Gemeinden, ein großen Ereignis, das auch den ortsansässigen Gelegenheit für ein
Tanzvergnügen gibt; und das ein ganzes Wochenende lang! Diese Tänzer sind unermüdlich!! Das geht fast
ununterbrochen von Samstag bis Sonntag, die Bands wechseln sich ab, die Tänzer machen nur kurze Pausen,
manche gehen dazu hinaus zu ihren Wohnmobilen und ruhen sich aus, dann kommen sie zurück und tanzen
stundenlang weiter! Für das leibliche Wohl ist natürlich auch gesorgt. Die Gemeinde organisiert wer was und wie
viel kocht, Schüler arbeiten in der Küche und teilen das Essen aus und Erwachsene bedienen die Bar.
Solche Veranstaltungen sind zwar vom Genre her nicht so unser Ding, aber wir sind ja unterwegs, um neue Dinge
zu sehen und erleben, also gingen wir hin. Getanzt haben wir nicht, aber dafür haben wir einen kleinen Film von
dem Event aufgenommen (siehe Fotoalbum) und uns ein ukrainisches Abendessen einverleibt, das aus Borscht mit
Brot und saurer Sahne, Piroggen, Krautwickeln, Schinken und noch mal saurer Sahne bestand.
Am Sonntag kam uns Rolena besuchen. Ich war gerade dabei zwei Brote zu backen, eins davon war für sie
bestimmt. Ich hatte ein paar Tage zuvor Kefir angesetzt und dachte, sie kenne das, denn bei all den ukrainischen
Einwanderern, die sich in Saskatchewan angesiedelt hatten, war das zu erwarten. Da sie aber nicht wusste, was
das ist (ihre Vorfahren stammten aus Wales), gab ich ihr ein Glas mit. Sie und ihr Mann hatten uns bereits so
verwöhnt mit kleinen Gaben, dass bei uns das Bedürfnis aufgekommen war, uns zu revanchieren, was wir dann auch
in den nächsten Tagen mit diesem oder jenem taten. Am Abend grillten wir Steaks über dem Lagerfeuer.
Der 10. August war ein sonniger Tag und das Thermometer kletterte auf 32°C. Wir feierten Chucks Geburtstag
im Restaurant des „Northern Lights“ Spielkasinos in Prince Albert. Chuck hat $5,00 am einarmigen Banditen
gewonnen. Wir fanden in Prince Albert auch eine WLAN Verbindung, wo wir unsere E-Mails abrufen konnten und
Chuck seine E-Geburtstagsgrüße entgegen nehmen konnte.
Der 11. August war „Packtag“. Ich hatte eine meiner Karten für Rolena und Jim am Computer „gebastelt“ und
ausgedruckt, ein Dankeschön für alles, das die beiden getan hatten, um unseren Aufenthalt in Weirdale so
angenehm zu machen und brachte sie ihnen. Rolena war ganz gerührt und sie rahmte die Karte und stellte sie
neben ein Bild, auf dem sie und ihre Tochter mit dem kanadischen Premierminister Stephen Harper abgebildet
sind und worauf sie sehr stolz ist. Fürs Abendessen gab sie mir eine slawische Kostprobe mit, die sie von einer
Freundin bekommen hatte und die sie mit uns teilen wollte: eine Art Dampfnudel aus Hefeteig mit Rote-
Beeteblättern umwickelt und in Sahne gebacken. Wie das Gericht heißt, wusste sie nicht, aber es war echt lecker!
Für die Nacht vom 11. zum 12. August war der diesjährige Perseiden-Meteorschauer angekündigt, ein
eindrucksvolles Schauspiel, das in dieser Nacht seinen Höhepunkt erreichte. Der Anstieg zum Maximum erfolgt
über mehrere Tage hinweg. Der gesamte Aktivitätszeitraum der Perseiden erstreckt sich über den Zeitraum
vom 17. Juli bis zum 24. August. Wir freuten uns auf dieses Schauspiel, hatten wir doch vorher nicht viel von den
Sternschnuppen zu sehen bekommen, weil der Himmel nachts fast immer bedeckt war. Der ganze Tag war sonnig
und fast wolkenlos gewesen, aber auch an diesem Abend bedeckte sich der Himmel nach Sonnenuntergang und
das Spektakel lief ohne uns ab.
Aber am nächsten Morgen schien die Sonne wieder und wir verließen Weirdale am frühen Nachmittag, nachdem
wir uns von Rolena und Jim verabschiedet hatten. Wir fuhren auf Highway 55 (Ost) bis Smeaton und bogen dort
auf Highway 106 in Richtung Norden ab. Über den „Narrow Hills Provincial Park“ erreichten wir nach circa 200 km
den Deschambault See, wo wir auf dem Deschambault Lake Resort Campingplatz eine Nacht verbrachten. Wir
befanden uns in der borealen Nadelwaldzone (Taiga), es gab unendlich viele Seen und am Deschambault See
erlebten wir wieder einen atemberaubenden Sonnenuntergang (siehe Fotoalbum). Ein paar herrliche Blockhäuser
am Ufer des Sees erinnerten mich plötzlich an einen Schlager aus meiner Kindheit:
Aber das würde ja bedeuten, dass wir sesshaft werden und so weit sind wir derzeit noch nicht, egal, wie schön
die Häuschen sind! Außerdem konnten wir es vor lauter Mücken kaum aushalten! Die Blutsauger sind dort so groß
wie Elefanten!
Tags darauf ging die Reise weiter. Wir erreichten unseren nördlichsten Punkt kurz vor Creighton, das noch in
Saskatchewan, dicht an der Grenze zu Manitoba liegt. Flin Flon ist dann die erste Stadt in Manitoba, ein paar
Kilometer östlich von Creighton.
Wir hatten uns einen Campingplatz am Amisk See, südwestlich von Creighton ausgesucht, wo wir eine Woche
bleiben wollten. Als wir in Creighton auf die Highway 167 abbogen, die bis zu dem kleinen Ort Denare Beach am
Amisk See und dann als Schotterweg am Ostufer des Sees entlang bis zum Ende des Sees führt, wo sie am
Sturgeon Weir Fluss endet, stellten wir fest, dass wir nun wirklich die Zivilisation verlassen hatten: unser GPS
zeigte keine Straßen mehr, das Mobilfunknetz war schon seit Weirdale außer Betrieb und wir machten uns keine
allzu großen Hoffnungen auf WLAN. Daher war die Freude groß, als uns der Eigentümer des Bayside
Campingplatzes in Denare Beach mitteilte, dass er WLAN habe. Es funktionierte sogar manchmal und wir konnten
unsere E-mails abrufen. Auch in Creighton am Besucherzentrum gab es eine WLAN Verbindung, wie wir
entdeckten und die war sogar sehr gut.
Die Woche am Amisk See verging mit Museumsbesuchen in Denare Beach, Creighton und Flin Flon, einem
(versuchten) Besuch einer Geisterstadt, der daran scheiterte, dass die Brücke über den Sturgeon Weir Fluss
nicht mehr existierte, ein paar Einkaufsfahrten nach Creighton und Flin Flon, wo wir auch Ungewöhnliches
besichtigten („Sewer Boxes“) und wir schauten uns die Kalksteinfelsspalten im Wald am Ostufer des Amisk Sees
an (siehe Fotoalbum). Damit waren die Sehenswürdigkeiten der Region so ziemlich erschöpft. Die wenigen
Touristen, die sich hierher verirren, kommen zum Angeln, nicht der Sehenswürdigkeiten halber. Creighton und
Flin Flon sind Bergbauorte (Kupfer und Zink), das zieht den Fremdenverkehr nicht an.
In diesem Zusammenhang wäre auch zu erwähnen, dass wir seit dem 10. Juli, als wir die Grenze überschritten,
noch keinen einzigen Amerikaner gesehen haben. Es war auch auffallend, dass wir in Saskatchewan ganz selten
Fahrzeuge mit Nummernschildern aus anderen Provinzen sahen.
Am 20. August verließen wir Saskatchewan, wo wir die freundlichsten Menschen seit Beginn unsres Wanderlebens
angetroffen haben. Wir fuhren über Flin Flon in südlicher Richtung bis The Pas. Den Campingplatz, den wir uns
dort ausgesucht hatten, gab es nicht mehr, ein Supermarkt steht jetzt darauf und einen anderen Campingplatz
gab es nicht. Im Besucherzentrum wurden wir aber belehrt, das man am Spielkasino übernacht parken dürfe.
Wir hatten eigentlich vorgehabt, ein paar Tage in The Pas zu bleiben, aber das fiel nun flach. Wir verbrachten
eine Nacht auf dem Parkplatz des Aseneskak Casinos, ein Unternehmen der Cree Indianer. Als wir am nächsten
Morgen unter viel Gepiepse, das von draußen kam, aufwachten und zum Fenster hinausschauten, wurde gerade
der Parkplatz um uns herum mit einer Planierraupe geebnet, die immer anfing zu piepsen, wenn sie rückwärts
fuhr. Chuck erkundigte sich, ob wir wegfahren sollen, aber der Fahrer meinte, wir könnten stehen bleiben, wo wir
sind. Nach dem Frühstück verließen wir den gastlichen Ort aber trotzdem und fuhren weiter bis Swan River.
Oh welcher Luxus uns dort erwartete!! Der Green Acres Campingplatz hatte nicht nur Wasser- und
Stromanschluss sondern sogar individuelle Abwasserentsorgung an jedem Stellplatz und wenn wir eine Woche
bleiben würden, dann müssten wir nur für fünf Tage bezahlen und die letzten zwei Tage seien umsonst. Die
Entscheidung fiel uns nicht schwer, noch dazu, da wir feststellten, dass wir das Randgebiet unserer
Satellitenausleuchtzone erreicht zu haben schienen, und wir bei optimalen Wetterbedingungen wieder ins
Internet konnten.
Swan River ist mit etwas über 4000 Einwohnern immerhin Manitobas zwölftgrößte Stadt, bei einer
Gesamteinwohnerdichte von 1.32 Personen/km² für ganz Manitoba. Die Einkaufsmöglichkeiten sind recht
bescheiden und die Öffnungszeiten sind sehr eingeschränkt. Da unser Kühlschrank unterwegs von The Pas nach
Swan River seinen Geist aufgegeben hatte und wir in Swan River keinen Gas/Elektrik-Wohnmobilkühlschrank
bekommen oder reparieren lassen konnten, mussten wir erst mal übers Wochenende warten, um einen normalen
Kühlschrank zu kaufen, der uns über die Runden helfen würde, bis wir ins Wohnmobil-Eldorado im nördlichen
Indiana kommen, wo wir zu weit besseren Preisen als hier in Kanada, ein neues Modell mit 25% mehr
Innenkapazität einbauen lassen werden. (Das haben wir alles bereits im Internet erkundet.)
Swan River wird uns für immer in Erinnerung bleiben, als der Ort mit den meisten „2. Straßen“ (Second Streets).
Es gibt eine „2. Avenue Nordwest“ (bzw. „2. Avenue West“, je nachdem ob man danach gehen will, was auf dem
Straßenschild steht, oder wie es auf der Straßenkarte eingetragen ist) eine „2. Avenue Nord“, eine „2. Avenue
Süd“, eine „2. Street Nord“ eine „2. Street Südwest“ und sage und schreibe zwei Straßen, die nicht miteinander
verbunden sind und den Namen „2. Street Süd“ führen! An einer Stelle, in Sichtweite unseres Stellplatzes auf
dem Campingplatz, kreuzen sich sogar zwei der „2. Straßen“ (siehe Fotoalbum).
Nachdem wir so lange keine Entsorgungsstation am Stellplatz gehabt hatten, nutzte ich die Woche, um
Großwäsche und Großputz zu veranstalten. Wir verlängerten sogar noch drei extra Tage, als die Woche vorbei
war, denn wir wollten nicht gerne an einem Freitag losfahren, vor dem letzten Wochenende bevor Schulbeginn.
Auch Swan River hat ein Museum, das wir besuchten. Dort fand am 30. August eine Art Erntedankfest statt, an
dem wir ebenfalls teilnahmen (siehe Fotoalbum). Leider geriet die kulinarische Seite auf dem Fest für uns etwas
zu kurz, denn als wir Brot kaufen wollten, das dort in Lehmöfen gebacken worden war, war es bereits
ausverkauft und desgleichen für die Tickets, die man vorher kaufen musste, um am Abendessen teilzunehmen.
Also gingen wir im Ort chinesisch essen und das erstaunlich gut sogar!
Am Montag, 31. August, verließen wir Swan River und fuhren über Highway 10 (Süd) bis Dauphin, Manitoba. Das
ist etwa 380 km nordwestlich von Winnipeg entfernt, Luftlinie wohl etwas weniger. Dauphin ist ein hübsches
Städtchen mit einem herrlichen Stadtpark, bewaldet, mit Schwimmbad, Campingplatz, Picknicktischen,
Spielplätzen und Radwegen. Alles sehr gepflegt! Der Campingplatz war an den Stellplätzen, die außer Strom
auch Wasser und Kanalisation hatten, ziemlich voll als wir ankamen und der einzige Platz, der frei war, gefiel uns
nicht. Wir wollten eigentlich eine Woche in Dauphin bleiben, aber dann haben wir uns nur auf 3 Nächte auf einen
Stellplatz, der uns gefiel, aber nur Strom und kein Wasser hatte, festgelegt. Wir kamen mit einem vollen
Frischwassertank und leeren Abwassertanks an und da können wir locker drei, vier Tage oder, wenn wir sparsam
sind, auch länger auskommen.
Fortsetzung folgt…..

Reisebericht August 2009 (beginnt in Vonda, Saskatchewan)
Wir kaufen uns ein Häuschen, Ein Casetta in Kanada, Wir jagen dort nach Bären, Denn es sind so viele da. Und unsern Freunden sagen wir: "Lebt wohl, hipphipp, hurra! Besucht uns mal, besucht uns mal Im Haus in Kanada.
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