Wer den Steven Spielberg Film „Terminal“  mit Tom Hanks aus dem Jahr 2004 gesehen hat, kann sich ungefähr
vorstellen, wie wir uns fühlten, als wir nach 4 Tagen und Nächten am 1. Juli immer noch in Ramstein saßen und keinen
Flug nach Charleston, South Carolina erwischt hatten.  (Inhalt des Spielfilms: Als der Emmigrant Viktor Navorsky
(Tom Hanks) am New Yorker Flughafen ankommt, muss er feststellen, dass sein osteuropäisches Heimatland nicht
mehr existiert. Da sein Pass und seine Papiere dadurch ungültig werden, darf er nicht in die USA einreisen und
schlägt deshalb am Flughafen seine Zelte auf. Während seines Aufenthaltes freundet er sich mit dem Personal und
der Flugbegleiterin Amelia an.)  Uns ging es fast genauso, nur die Amelia fehlte uns. Flüge gab es schon einige, aber
während der Schulferien waren viele der in Deutschland stationierten Familien unterwegs, um mit ihren Kindern  
die Omas, Opas, Onkel, Tanten und sonstige Verwandten in den USA zu besuchen. Wir, als Pensionäre, waren in
Kategorie VI und rutschten jedes Mal weiter nach unten, wenn jemand, der einer höheren Kategorie angehörte,
sich für einen Flug anmeldete.  Der Andrang verursachte außerdem an manchen Abenden eine Überfüllung des
Hotels und wir bekamen nicht jede Nacht ein Zimmer, was bedeutete, dass wir auch mal in der Lobby oder
irgendwo auf einer Luftmatratze übernachteten.  Das Terminal war jede Nacht von 23 Uhr bis 4 Uhr früh
geschlossen. Ab 4 Uhr konnte man dann auf den Liegen der
USO  im Terminal weiterschlafen. Aber nach ein paar
Tagen bekam Chuck den Dreh raus, wie er trotz der starken Nachfrage eine Reservierung sichern konnte (alles
eine Frage des Timings, nämlich ein paar Minuten, bevor die Leute auschecken bereits an der Rezeption stehen und
eine Reservierung beantragen, ob man sie nun braucht oder nicht).  Absagen konnte man dann immer noch, sollte
man Glück haben und an dem Tag doch noch einen Flug ergattern.

Am 2. 7. fuhr ich mit dem Taxi zum Ausländeramt in Kaiserslautern, weil unsere 90 Tage in Deutschland vorüber
waren.  Dort bekam ich eine 2-wöchige Verlängerung (gegen Bezahlung).  Das war auch der Tag, wo es Chuck gelang
eine Hotelzimmerreservierung für drei Nächte hintereinander zu  bekommen und damit wurde die Warterei etwas
angenehmer, denn wir konnten unsere Koffer im Zimmer lassen und mussten nicht so viel Zeit im Terminal
verbringen. Wir gingen nur noch zum Namensaufruf für die Flüge zum Terminal und zwischendurch schauten wir
nach, ob nicht ein Überraschungsflug auf der Abflugtafel dazu gekommen war, das passierte manchmal, brachte
uns aber unserem Ziel auch nicht näher. Das dem Hotel angeschlossene Einkaufszentrum bot auch etwas
Abwechslung und wir hätten auch Fahrräder mieten können, wenn es nicht so furchtbar heiß geworden wäre.  
Stattdessen entwickelten wir uns zu Sudoku Experten, eines der Spiele auf unseren Handys.

Als wir am 5. Juli Ramstein immer noch nicht verlassen hatten, disponierten wir um.

Es war uns nach all der Warterei klar geworden, dass wir keinen direkten Flug von Ramstein nach Charleston
bekommen würden.  Einen normalen Linienflug konnten wir nicht nehmen, weil wir so wahnsinnig viel Gepäck hatten,
also waren wir darauf angewiesen, auf die gleiche Art und Weise zurückzufliegen, wie wir gekommen waren, denn
bei den großen Frachtmaschinen darf man viel mehr Gepäck haben. Wir meldeten uns also stattdessen für einen
Flug nach Mildenhall in England an.  Es gab zwar keine Informationen über irgendwelche Verbindungsflüge von dort
aus, aber wenn wir erst einmal in England waren,  würde unsere Aufenthaltsgenehmigung ohne ein Visum für alle
Länder des
Schengener Abkommens neu beginnen und wir könnten notfalls nach Deutschland zurückkehren und
weiter in Ramstein sitzen und auf einen Flug warten. Am 6. Juli flogen wir um 11 Uhr von Ramstein aus bei einem
Tankereinsatz mit, der über Norwegen drei F-16 Kampfjets der königlich norwegischen Luftwaffe in der Luft
auftankte! Es war ein unglaubliches Erlebnis und die Jungs ließen uns sogar hinten mit rein in das "Loch", von wo aus
die ganze Tankerei gesteuert wird.  Ich habe tolle Fotos durchs Fenster gemacht, mit der F-16 direkt unter mir.
Nachdem die Kampfjets voll getankt waren, begleiteten sie uns noch eine Weile und verschwanden dann hinter den
Wolken (siehe Fotoalbum). Wir  flogen in unserem Tanker, KC 135  nach England und übernachteten im Hotel in
Mildenhall.  Am nächsten Morgen endete unsere Pechsträne und wir bestiegen eine C130J (Propellerflugzeug,
Baujahr 2006) mit Endziel Little Rock, Arkansas (USA), die einen Einsatz in Schottland hatte. In Prestwick
mussten wir aussteigen (siehe Fotoalbum), wurden vom Bodenpersonal mit Kaffee, Tee und Gebäck verwöhnt,
während der Flieger aufgetankt wurde und kurz nach 10  Uhr ging die Reise weiter nach St. John's auf
Neufundland-Labrador. Dort übernachteten wir in einem Hotel in der Stadt, gingen einkaufen und  flogen am
nächsten Morgen bevor die Hähne krähten in der gleichen Maschine  (siehe Fotoalbum) weiter nach Little Rock,
Arkansas. Dort endete dieser Einsatz. Als wir in Little Rock ankamen, ging gleich ein Flug weiter nach Biloxi,
Mississippi, den wir nahmen (siehe Fotoalbum), dann dort übernachteten und am nächsten Tag in einem „Hurricane
Hunter“ C130 Flugzeug zum MacDill Air Force Base in Tampa, Florida weiterflogen.  In diesem Flieger wurden
über dem Golf von Mexiko meteorologische Messungen gemacht.  Als wir in Tampa ankamen, mussten wir einen Tag
Pause einlegen, weil der nächste Flug nach Charleston erst am Sonntag ging, aber darüber waren wir nicht
unbedingt traurig, wir konnten uns etwas ausruhen und ausschlafen, denn es war mitunter etwas anstrengend
gewesen, weil manche dieser Flüge vor dem Morgengrauen abflogen und auch wegen der vielen Koffer! Nicht
überall gab es Kofferkulis und an manchen dieser Militärflughäfen mussten wir uns selbst um unser Gepäck
kümmern (= 4 große Koffer, einer davon wog 35 kg und wir beide hatten noch je zwei Stück Handgepäck).  Bei dem
Flug von Mississippi nach Florida waren alle 6 Gepäckstücke „Handgepäck“, da halfen uns andere Passagiere den
Kofferberg ins Flugzeug zu bringen.  Bei manchen Flügen wurde das Gepäck in den Holzkästen, die man auf einem
der Fotos sieht, verstaut.  Bei anderen Flügen wurde das ganze Gepäck direkt vor unseren Füßen mit Riemen am
Boden befestigt.  Übrigens, die Sitze sind weitaus bequemer, als sie aussehen und man kann sich während des
Fluges hinlegen und schlafen!

Unser Hotel in Tampa in der Nähe des Terminals auf dem Mac Dill Militärflughafen hatte kein Restaurant dabei. Es
war schrecklich heiß und auf der Suche nach etwas zu essen,  versuchten wir, so gut wie möglich im Schatten zu
laufen. Nachdem wir zu Mittag gegessen hatten, fanden wir auf dem Rückweg eine Pizzeria und wollten uns von
dort einen Salat mit gegrillter Hühnerbrust fürs Abendessen mitnehmen. Es stellte sich heraus, dass es eine ganz
neue Pizzeria war, die erst am Montag danach offiziell öffnete. An dem Tag hatten sie nur Probebacken und
Training für die Angestellten. Als Werbegag wurden die gebackenen Pizzen verschenkt.  Somit hatten wir keinen
Salat, sondern  eine Gratispizza zum Abendessen!

Als wir am 11. Juli um 22 Uhr Ortszeit in Charleston, South Carolina ankamen, hatten wir etwas Bedenken, ob unser
Auto anspringen würde nach über drei Monaten, aber das war überhaupt kein Problem. So gegen Mitternacht
kamen wir bei unserem Wohnmobil an, aber wir bekamen das Tor zum Abstellplatz nicht auf und mussten vor dem
Tor parken.  Wir konnten allerdings das Tor weit genug verrücken, um durchzuschlüpfen.  Im Wohnmobil waren
dann alle Batterien mausetot, es waren 45°C in der Bude und wir konnten ohne Batterien nicht einmal den
Generator anmachen, um die Klimaanlage anzuschalten.  Chuck sagte, ihm sei das zu heiß und schlief im Auto. Ich
packte mir einen Eisbeutel voll Eiswürfel, die wir uns unterwegs besorgt hatten, wickelte ihn in ein Handtuch und
benütze das Gebilde als Kopfkissen, öffnete das Fenster hinter dem Bett und legte mich im Evaskostüm ins Bett.  
Ich schlief ganz gut, trotz meines steifen Nackens, den ich mir auf dem Flug von Little Rock, Arkansas nach Biloxi,
Mississippi eingehandelt hatte, weil die Flugzeugklimaanlage direkt auf mich herunter blies. Um 6 in der Früh kam
jemand und öffnete das Tor.  Somit konnte Chuck den Wagen neben das Wohnmobil stellen und mit der Batterie
vom Auto den Generator starten.  Leider ging die Klimaanlage trotzdem nicht.  Wir brachten sie später auf dem
Weg zum Campingplatz bei Camping World vorbei und es stellte sich heraus, dass durch die Hitze und die lange
Zeit, während der sie nicht in Betrieb genommen worden war, die Gleitkontakte im Motor haften geblieben waren.  
112 Dollar später war alles wieder im grünen Bereich, wir fuhren zum Campingplatz und bauten auf.  Unser
Aufenthalt in Charleston dauerte zwei Wochen und verging damit, Koffer auszupacken und unsere ganzen Einkäufe
zu verstauen, Wäsche zu waschen, einem Arzt einen Besuch abzustatten und zu versuchen, die von der Hitze
verursachten Schäden zu beheben (die Gleitkontakte am Motor der Klimaanlage waren nicht das einzige, das in
Mitleidenschaft gezogen worden war).  Damit war unsere Odyssee zu Ende. Alles vor unserer Ankunft in
Charleston war echt spannend und toll gewesen!  

Wie heiß es im Wohnmobil während unserer Abwesenheit geworden ist, war daran zu erkennen, dass ein blaues,
ziemlich breites Gummibändchen, dass ich in der Küche an einem Haken aufgehängt hatte, geschmolzen und auf die
Arbeitsplatte darunter getropft war.  Ich konnte es kaum glauben, als ich das schmierige Häufchen fand. Eine noch
versiegelte Flasche mit destilliertem Wasser muss so heiß geworden sein, dass sie geplatzt ist!  Einigen unserer
externen Festplatten am Computer war es auch zu heiß, sie hatten ihren Geist völlig aufgegeben.   So nach und nach
entdeckten wir alle möglichen von der Hitze verursachten Schäden!  
Das müssen wir in den heißen Monaten nächstes Mal etwas anders machen, wenn wir das Wohnmobil wieder für
längere Zeit irgendwo parken, denn wir wollen diese Möglichkeit des „umsonst Fliegens“ nun öfters nutzen.  Wir
haben diesmal viel gelernt, wie man es am besten macht und mit weniger Gepäck, kann es uns auch egal sein, wenn
wir uns an diesem oder jenem kleinen Airport selbst um die Koffer kümmern müssen.  Es war ja nur diesmal so
schlimm, weil wir so viel Zeug in Deutschland gekauft hatten (der große, schwere Koffer war fast ausschließlich
voll neuer Bettwäsche). Dass es auch so heiß werden würde, dass unser Wohnmobil fast weg schmilzt, auf die Idee
kamen wir überhaupt nicht, als wir uns Ende März auf den Weg machten und, Ihr erinnert Euch vielleicht, dass wir
keinen Stromanschluss haben würden, wurde uns erst Minuten vor unserem Eintreffen bei dem Abstellplatz
mitgeteilt, obwohl es vorher anders vereinbart worden war (siehe März Reisebericht).

Von Charleston aus fuhren wir am 26. Juli über Washington im Bundesstaat Georgia, wo wir eine Nacht
verbrachten, nach Marietta, Georgia (bei Atlanta).  Dort endete dieser recht aufregende Monat auf einem
bewaldeten Stellplatz neben einem kleinen See.


Fortsetzung folgt…..
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Beginnt auf dem Flughafen in Ramstein/Pfalz und endet in Marietta, Georgia (USA)
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