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,,Das Reisen ist der Mortons Lust"
Reisebericht Juli 2009
Unser Reisegebiet
Reisebericht Juli 2009 (beginnt in Grass Range, Montana)
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Die erste Woche im Juli verbrachten wir noch in Grass Range, Montana und nachdem die Ersatzteile für die
reparaturbedürftige Klospülung und die neue Festplatte für den Laptop eingetroffen und installiert waren, konnten
wir uns wieder angenehmeren Dingen zuwenden.
Einer unserer Ausflüge ging nach Lewistown, wo wir in „Doc’s OK Corral“ (Restaurant und Spielkasino) zu Abend
aßen und im Spielkasino einen ganzen Dollar verjubelten. Der 4. Juli (amerikanischer Unabhängigkeitstag) verlief
sehr ruhig in Grass Range. Feuerwerk gab es keines, nur ein paar Anwohner böllerten ein wenig herum.
Wir hatten fast jeden Abend ein Lagerfeuer und kochten unser Abendessen im Freien, denn man darf kein Holz
über die Grenze nach Kanada mitnehmen und Chuck hatte noch einen ziemlichen Vorrat an Brennholz. Am 8. Juli war
dann unser großes „Abschiedslagerfeuer“ und wir verbrannten den Rest. Tags darauf ging die Reise weiter. Über
Montana Highway 19 (Nord) und US Highway 191 (Nord) erreichten wir 70 km nördlich von Grass Range die „James
Kipp Recreation Area“ (Erholungsgebiet mit Camping und Picknickplätzen), direkt am Missouri Fluss (siehe
Fotoalbum). Wir genossen unser Picknick und anschließend fuhren wir über Montana Highway 66 (Nord) und US
Highway 2 (West) bis Havre, Montana. Dort übernachteten wir auf dem Wal-Mart Parkplatz, erledigten unsere
letzten Einkäufe bevor wir die Grenze nach Kanada überschritten und holten unseren Medikamentenvorrat in der
Wal-Mart Apotheke ab. Leider stellte sich heraus, dass mein Teststäbchennachschub für das Blutzuckermessgerät
erst am 21. Juli fällig war (Krankenkassenbestimmungen). So lange wollten wir nicht warten! Da ich meinen
Diabetes ziemlich gut unter Kontrolle habe, beschloss ich, den Vorrat an Teststäbchen, den ich noch hatte, zu
strecken, indem ich während unseres Kanadaaufenthaltes nur jeden zweiten Tag teste.
Bevor wir Havre verließen, machten wir noch einen Abstecher zu einem Geldautomaten und schlossen uns einer
geführten Tour an, „Havre beneath the Streets“ („Unter den Straßen von Havre“) (siehe Fotoalbum). Dies erwies
sich als eine interessante und ungewöhnliche Touristenattraktion.
Über Montana Highway 233 (Nord) erreichten wir kurze Zeit später den Grenzübergang „Port of Willow Creek“
und Saskatchewan (siehe Fotoalbum). Die junge Grenzbeamtin auf der kanadischen Seite nahm ihre Aufgabe sehr
ernst, aber nach einer Weile merkte sie doch, dass wir ihrem Land keinen Schaden zufügen wollten und entspannte
sich etwas. Wir brachten sie sogar einmal zum lachen! Einige ihrer vielen Fragen verwunderten uns ziemlich. Wie
viel Hundefutter wir dabei hätten und wie lange Lobo brauchen würde, das aufzufressen? Eine der anderen Fragen
war, wie viel Milch und Milchprodukte wir dabei hätten. Letzteres hat sich zwischenzeitlich geklärt, nämlich als wir
unseren ersten kanadischen Supermarkt aufsuchten. Die Preise von Milchprodukten sind in Kanada bis zu viermal
höher (manchmal sogar noch mehr), als in den USA. Im Internet erfuhren wir, dass Kanada weltweit mit die
höchsten Preise an Milchprodukten hat und man nicht mehr als $ 20 an Milchprodukten einführen darf. Ob dabei
$20 (US Dollar) zu US Preisen oder $20 (kanadische Dollar) zu kanadischen Preisen gemeint ist, war nicht
ersichtlich.
Nachdem wir all unsere Milchprodukte, Hundefutter, Bier, etc. unbeschadet nach Saskatchewan eingeführt hatten,
fuhren wir auf Straßen, die wahrscheinlich weltweit auch mit an der Spitze liegen, was ihren schlechten Zustand
anbelangt, ins Landesinnere. Im ersten Dorf, Consul, wechselten wir Geld um und erkundigten uns nach einem
Campingplatz, da der im Ort, in welchem wir zu übernachten beabsichtigt hatten, geschlossen war. Man verwies uns
an einen 40 Minuten entfernten Provincial Park. Entfernungen werden fast immer in Minuten/Stunden angegeben,
selten in Kilometern. Keine Ahnung, woher die Leute wissen, wie schnell wir fahren.
Der „Cypress Hills Interprovincial Park“, der sich auf beiden Seiten der Grenze zwischen Alberta und
Saskatchewan erstreckt, erwies sich als ein wunderschöner, bewaldeter Park mit mehreren Campingplätzen, einer
davon auf einer Wiese (siehe Fotoalbum). Da wir nicht reserviert hatten und an einem Freitag ankamen, konnten wir
keinen Stellplatz mit Strom und Wasserversorgung bekommen. Brennholz fürs Lagerfeuer gab es allerdings
umsonst und Chuck deckte sich wieder ein! Wir blieben nur eine Nacht und fuhren am nächsten Tag weiter.
Auf Saskatchewan Highway 21 (Nord) erreichten wir Maple Creek. Im Besucherzentrum versorgten wir uns mit
Prospekten und Straßenkarten, dann aßen wir unser Mittagessen in einem netten Stadtpark mit Picknicktischen
(siehe Fotoalbum). Etwas weiter östlich, in Gull Lake, mieteten wir uns für drei Tage auf einem kleinen Campingplatz
ein, bevor wir weiter in den Norden von Saskatchewan vorstießen. Am 14. Juli verließen wir Gull Lake bei
regnerischem und kaltem Wetter (12°C). Zuerst fuhren wir noch etwas östlich bis Swift Current, wo wir auf den
ersten großen Supermarkt in Kanada stießen und uns eine „Seafood Lasagna“ (Lasagna mit Meeresfrüchten)
besorgten. Dieses Produkt aus der Tiefkühltruhe hatten wir auf früheren Reisen nach Kanada entdeckt und freuten
uns sehr, es wieder zu finden.
In dieser Gegend von Saskatchewan leben viele Hutterer, die man wegen ihrer Trachten sofort erkennt; besonders
die Kleidung der Frauen unterscheidet sich von der Norm. Man sah sie überall in den Läden und was sehr amüsant
war, war ihr Interesse an Chuck. Er wurde ständig von den Hutterer Männern angesprochen und sie wollten wissen,
woher er komme. Chucks Bart, seine Prinz Heinrich Mütze und die dunkle Kleidung, die er an diesem Tag trug,
verwirrte sie ein wenig und sie dachten scheinbar, er sei einer von ihnen, aus einer anderen Gegend (die Hutterer
sind in mehreren Provinzen von Kanada angesiedelt). Im Gespräch erkannten sie dann aber sehr schnell, dass sie
sich getäuscht hatten. Uns amüsierte das Ganze aber sehr!
Chuck fand es ratsam, einen neuen Ersatzreifen fürs Wohnmobil zu kaufen, wie auch einen Reifen auszuwechseln,
denn der Zustand der Straßen verhieß so einiges. Dies wurde auch noch erledigt. Wir übernachteten bei Wal-Mart
in Swift Current und es wurde noch kälter (5°C). Dann steuerten wir auf Saskatoon zu; es ist die größte Stadt von
Saskatchewan. Regina ist etwas kleiner und ist die Hauptstadt von Saskatchewan, die wir allerdings nicht
besuchten. Nur die südliche Hälfte von Saskatchewan ist besiedelt. Nördlich von Saskatoon ist nur noch eine
„größere“ Stadt, Prince Albert (41020 Einwohner) und nördlich davon befindet sich der Prince Albert Nationalpark,
ein paar Provincial Parks, Erholungsgebiete und viele, viele Seen aber kaum noch Ortschaften. Je weiter man nach
Norden vordringt, umso einsamer wird es. Irgendwann hören dann sogar die Straßen auf. Im nördlichen Teil, d. h.
nördlich der geographischen Mitte von Saskatchewan, werden Bodenschätze abgebaut, aber die Lager und
Abbaugebiete sind nur per Flugzeug zu erreichen. Es gibt auch einige Indianer Reservate dort oben, sagte man uns.
Saskatchewan liegt in der zentralen Zeitzone von Nordamerika, aber diese kanadische Provinz beteiligt sich nicht an
Sommer-/Winterzeit und deshalb mussten wir unsere Uhren jetzt im Sommer nicht umstellen, als wir die Mountain
Zeitzone an der Grenze verließen.
Von Swift Current aus fuhren wir auf Highway 4 (Nord) durch den Saskatchewan Landing Provincial Park und weiter
in Richtung Elrose Regionalpark, der mit Campingplatz auf der Landkarte aufgeführt war und wo wir eine
Verschnaufpause einlegen wollten. Als wir in der kleinen Ortschaft Elrose ankamen, fanden wir alles andere, nur
keinen Regionalpark. Ich ging in ein Geschäft und erkundigte mich, wo der Park sei. Von dem Park wusste keiner
etwas, aber sie hätten vier Stellplätze für Wohnmobile hinter dem „Uniplex“ und man beschrieb mir den Weg
dorthin. Was das „Uniplex“ war, wussten wir nicht, aber wir folgten den Anweisungen und kamen zu einem
Sportgelände, an dessen Eingang tatsächlich ein winziges Schild stand, auf dem Elrose Regionalpark stand. Über
dem Eingang eines riesigen Gebäudes auf dem Gelände stand „Uniplex“ und als wir auf das Gebäude zufuhren,
sahen wir Schilder, die uns zu den 4 Wohnmobilstellplätzen dahinter führten. Neben und hinter dem Uniplexgebäude
befanden sich außerdem alle möglichen Sportplätze, Rennbahnen und dergleichen. Wohnmobile waren keine da,
somit suchten wir uns einen der vier Plätze aus und ließen uns häuslich nieder. Jeder Stellplatz hatte zwei normale
Haussteckdosen (keine Campingsteckdosen) und einen Wasserhahn. Entsorgungsstation sahen wir keine. Ich zog
los, um zu zahlen. Laut Prospekt sollte es 15 kanadische Dollar pro Nacht kosten. Ein Schild an der Außenwand des
Uniplexgebäudes deutete auf eine Hintertür, um zu den Toiletten und Duschen zu gelangen. Ich öffnete die Tür
und betrat eine Halle, groß genug, um eine Boeing 747 darin zu parken. Die Tür schloss sich hinter mir und ich stand
im Dunkeln. Fenster gab es keine, Lichtschalter konnte ich keinen finden. Ich ging zum Wohnmobil zurück, holte eine
Taschenlampe und versuchte mein Glück erneut. Ich durchstreifte große Hallen, kleinere Durchgänge und Räume
(alles lag im Dunkeln), kam dann irgendwann einmal an die vordere Eingangstür, die abgesperrt war. Ich versuchte
den Weg zurück zur Hintertür zu finden, entdeckte auf der Suche ein Hallenbad, ein Eishockey-Stadion,
Curlingbahnen und fand letztendlich sogar die Toiletten und Duschen. Nachdem ich mich mehrmals ziemlich
verlaufen hatte, fand ich dann endlich die Hintertür wieder, aber niemanden, bei dem ich hätte zahlen können. Lobo
erwartete mich, als ich ins Freie trat; er schien sich Sorgen um mich gemacht zu haben und war zur Hintertür
nachgekommen, um nachzusehen, wo ich so lange steckte. Öffnen konnte er sie Gott sei Dank nicht, denn er verliert
jetzt im Alter oft die Orientierung und in dem dunklen Gebäude hätte er sich wahrscheinlich hoffnungslos verlaufen.
Da der Stromkreis am Stellplatz ziemlich schwach auf der Brust war, dauerte es auch nicht lange, bis die Sicherung
durchbrannte. Chuck zog los, um den Kasten mit dem Leitungsschutzschalter zu finden. Ich rüstete ihn mit der
Taschenlampe aus, aber als er dann zurückkam, teilte er mir mit, dass er sie gar nicht gebraucht hatte, weil in der
Zwischenzeit jemand gekommen war, um die Kasse fürs Hallenbad (und den Campingplatz) zu öffnen und auch die
Beleuchtung angestellt hatte. Da er kein Geld dabei hatte, konnte er aber nicht bezahlen. Wo der Kasten mit dem
Leitungsschutzschalter war, hatte er allerdings nicht in Erfahrung gebracht, da das Mädchen an der Kasse keine
Ahnung hatte, wo sich dieser befand. Mit Verlängerungskabeln versorgten wir uns mit Strom von den anderen
Stellplätzen (und verdoppelten dabei die Stromversorgung). Als ich wieder an die Hintertür kam, um zu zahlen, war
diese abgesperrt. So langsam bekam ich das Gefühl, die wollten unser Geld nicht. Ich lief um den ganzen Komplex
herum, kam zur Haupteingangstür und fand endlich das Mädchen im (leeren) Hallenbad, um zu bezahlen. Sie wollte
wissen, wie lange wir bleiben wollten , ich legte mich auf zwei Nächte fest, denn ohne Entsorgungsstation eignet sich
ein Campingplatz nicht für Verschnaufpausen, denn die müssen immer für Wäschewaschen, Hausputz und
dergleichen ausgenützt werden. Ich fragte sie wegen der abgesperrten Hintertür und bekam eine etwas wirre
Antwort. Dann wollte sie wissen, ob wir die Duschen benützen wollten. Ich sagte ihr, dass ich lieber meine eigene
Dusche und Toilette benütze, aber ohne Entsorgungsstation könnte das etwas problematisch werden, sollten wir
länger bleiben wollen. Sie meinte, da sei doch irgendwo eine, aber sie wisse nicht genau wo. Sie kassierte 10 Dollar
von mir für 2 Nächte. Das kam mir etwas billig vor, also bat ich um einen Beleg. Ich fragte sie, ob ich nun wieder um
das ganze Gebäude laufen müsse oder ob sie die Hintertür für mich aufsperren würde. Sie kam mit, zeigte mir,
dass die Hintertür von innen nicht abgesperrt war und damit ich wieder rein könne, legte sie einen Stein in den
Türrahmen mit der Bemerkung, dass die Tür sonst meistens klemmt und nicht richtig zufällt. Darauf sollen sich die
Campinggäste verlassen????
Nach dem Abendessen machte ich einen Spaziergang mit Lobo und fand ein verwaschenes Schild an einem Pfahl mit
einem nach unten deutenden Pfeil, der auf die Entsorgungsstation zeigte. Zwar auf der entgegen gesetzten Seite
des Campingplatzes, aber mit zwei langen Schläuchen erreichbar, wenn wir unsere elektrische Abwasserpumpe
anschlossen.
So langsam begann es uns in Elrose zu gefallen. Wir hatten den ganzen Platz für uns allein, kein Mensch in Sicht
weit und breit, Lobo konnte sich frei bewegen, das Strom und Abwasserproblem war gelöst und am nächsten
Morgen fanden wir auch heraus, wo der Kasten mit dem Leitungsschutzschalter war. UND das Ganze für 5
kanadische Dollar pro Nacht! Grund genug zu verlängern ;-)! Wir blieben bis zum 19. Juli und nutzten die Tage, um
alles wieder auf Vordermann zu bringen. Am letzten Abend bekamen wir Nachbarn, aber als wir am nächsten
Morgen aufwachten, waren sie bereits weitergefahren. Während wir hinter dem Uniplex in Elrose campten, waren
die Temperaturen so nach und nach angestiegen und da es meist sonnig war und das Gebäude außen mit Blechwänden
verkleidet war, prallte die Wärme von den Wänden ab und es wurde arg warm auf unserem Stellplatz, der sehr
dicht am Gebäude lag (siehe Fotoalbum). Die Klimaanlage konnten wir nur nachts laufen lassen, wenn alle anderen
elektrischen Geräte abgeschaltet waren, da sonst der Leitungsschutzschalter durchknallte. Es wurde deshalb
tagsüber ungemütlich warm in unseren vier Wänden, trotz offener Fenster und Durchzug!
Als wir am Sonntag Elrose verließen, stand das Thermometer auf 28°C. Wir hatten vorher versucht einen
Campingplatz in Saskatoon zu reservieren, aber alle, die wir im Internet oder Campingführer ausfindig machen
konnten, schienen belegt zu sein. Wir hofften, dort oder auch unterwegs einen kleinen Campingplatz mit freien
Plätzen zu finden, der nicht im Internet oder Campingführer verzeichnet war. Wir fuhren bis Saskatoon, darüber
hinaus und wieder zurück aber in und um Saskatoon herum, waren alle Campingplätze voll belegt. Gegen Abend
gaben wir auf und parkten auf einem Wal-Mart Parkplatz für die Nacht. Es wurde eine sehr windige Nacht und die
Temperaturen sackten auf 16°C ab. Am nächsten Morgen telefonierten wir mit etlichen Campingplätzen, bekamen
aber nur Absagen. Wir hatten noch einen Campingplatz ausfindig gemacht, der in Vonda, einem kleinen Dorf (334
Einwohner) etwas außerhalb von Saskatoon lag und von der Gemeinde verwaltet wurde, aber dort konnten wir
niemanden erreichen, da die Gemeindeverwaltung montags nicht geöffnet war. Chuck kam auf die Idee, die
Tankstelle dort anzurufen und bekam die Auskunft, dass der Campingplatz völlig leer sei. Das war ja kaum zu
glauben!
Bevor wir nach Vonda fuhren, holte Chuck in Saskatoon seine neue Satellitenschüssel ab, die er auf E-Bay gefunden
hatte, nachdem seine in Grass Range, Montana dem Wind zum Opfer gefallen war und Chuck mit seinen
Reparaturversuchen nicht zufrieden war.
Vonda liegt an einer Nebenstraße, nordöstlich von Saskatoon. Dass der Ort einen Campingplatz hat, scheint nicht
allgemein bekannt zu sein und es macht auch kein Schild an der Hauptstraße darauf aufmerksam. Erst am
Ortseingang, sieben oder acht Kilometer von der Hauptverkehrsstraße entfernt, steht ein Campingschild. Wir
hatten den Campingplatz im Saskatchewan Campingführer entdeckt. Wir fanden ihn neben einem Sportplatz am
Ende des Dorfes. Er war gepflegt, man war dabei, ein Gebäude mit Duschen, Toiletten und sogar einer Küche zu
errichten. Fast alle Stellplätze hatten neue Tische und Bänke aus hellem Holz. Obwohl neue Stromleitungen zu allen
11 Stellplätzen führten, mit normalen Haussteckdosen (wieder keine Campingsteckdosen), funktionierten einige
nicht. An Stellplatz Nr. 11 fanden wir Strom, auch Nummer 10 war in Ordnung und da eine normale Haussteckdose
zu schwach ist, um unser ganzes Wohnmobil zu versorgen, bedienten wir uns mit einem langen Kabel auch bei
Stellplatz Nummer 10. Eine Gemeinschaftsentsorgungsstation konnten wir, wie schon in Elrose, mit zwei langen
Schläuchen erreichen und unser Abwasser mit unserer elektrischen Abwasserpumpe abpumpen. Kurz nach unserer
Ankunft kam ein Auto angefahren, in dem ein älteres Ehepaar saß. Sie hießen uns in Vonda willkommen und der alte
Mann erzählte uns, dass sein Enkel das neue Gebäude auf dem Campingplatz baue. Wir verbrachten den Nachmittag
damit, es uns gemütlich zu machen und Chuck bastelte an seiner neuen Satellitenschüssel herum.
Am nächsten Tag wollten wir nach Saskatoon zum Einkaufen fahren. Kurz bevor wir losfuhren, kam der alte Mann
vorbei und brachte uns Salat aus seinem Garten. Wir haben schon viele nette Menschen auf unseren Reisen
kennengelernt, aber dass man uns mit frischem Gemüse versorgte, passierte in Vonda zum ersten, aber nicht zum
letzten Mal! Ernest Beaulieu (siehe Fotoalbum) kam uns fast jeden Tag besuchen und brachte uns frisch geernteten
Salat, Schalotten oder Kartoffeln.
Unsere Einkaufsfahrt nach Saskatoon wurde kurz vor der Stadt wegen eines gerissenen Keilriemens abrupt
unterbrochen. Wir mussten abgeschleppt werden. In der Werkstatt stellte sich heraus, dass wir auch eine neue
Antriebsriemenscheibe brauchten. Die Reparatur ging jedoch schnell vonstatten und wir kamen mit knapp 320
kanadischen $ davon. Danach machten wir unseren geplanten Einkaufsbummel, an den sich ein Besuch in einem recht
ungewöhnlichen Restaurant anschloss. Unsere Vorliebe für chinesische Buffets ließ uns das „New Island Chinese
Restaurant“ wählen, das behauptete, ein Buffet anzubieten. Aber es war kein Buffet, wie wir es gewohnt sind, wo
man immer wieder ans Buffet gehen kann und sich seine Sachen selbst holt. In diesem Restaurant gab es eine
Speisekarte, wo man ganz normal Gerichte bestellen konnte und wenn man das „Buffet“ haben wollte, bekam man
einen Fettstift und mehrere mit Plastik überzogene „Wunschkarten“, auf der alle Speisen aufgezeichnet waren und
man kreuzte an, was und wie viel man von diesem oder jenem haben wollte. Dann wurden diese Speisen frisch
zubereitet und serviert. Eigentlich besser als ein Buffet, wo die Speisen im Dampfbad warm gehalten werden, aber
wenn man mit dem Restaurant nicht vertraut ist und die Gerichte nicht kennt, ist es etwas schwierig, die richtige
Wahl zu treffen. Die chinesische Bedienung sprach auch sehr schlecht Englisch und es dauerte eine Weile, bis wir
die Routine heraus hatten. Wenn man so nach und nach alle „Wunschkarten“ aufgebraucht hatte, bekam man einen
neuen Stapel. Chuck entschied sich für das „Wunschkarten-Buffet“, ich wählte ein kohlehydratarmes Gericht von
der Speisekarte, kostete aber ab und zu bei Chuck, wenn etwas Interessantes auf seinem Teller erschien.
Die darauffolgenden Tage blieben wir auf dem Campingplatz. Chuck bastelte weiter an seiner neuen
Satellitenschüssel herum und auch ich hatte genug zu tun, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Am Freitag
bekamen wir Besuch vom Bürgermeister, der uns in seiner Gemeinde willkommen hieß und sich sogar bedankte, dass
wir Vonda mit unserer Anwesenheit beehrten. Der eigentliche Grund seines Besuchs war wohl um zu sehen, welche
Fortschritte das neue Gebäude machte. Am Nachmittag fuhren wir wieder in die Stadt und schauten uns die
berühmteste Sehenswürdigkeit von Saskatoon an: das Bessborough Hotel (siehe Fotoalbum). Um zum Marr Haus (=
das älteste Gebäude der Stadt), zur ersten Brücke über den Saskatchewan Fluss (Victoria Brücke) (siehe
Fotoalbum) und anderem Sehenswertem zu gelangen, fuhren wir durch die alten Wohnviertel der Stadt, die uns
ganz besonders gut gefielen. Wir boten Lobo die Gelegenheit im Saskatchewan Fluss baden zu gehen, was wiederum
ihm ganz besonders gut gefiel.
Das Wetter war in dieser Zeit nicht immer optimal und an manchen Tagen war es ziemlich kalt. Übers Wochenende
faulenzten wir, Lobo genoss seine uneingeschränkte Freiheit auf dem Campingplatz von Vonda und am Dienstag
verlängerten wir unseren Aufenthalt für eine Woche. Als ich in der Gemeindeverwaltung die Campinggebühr
bezahlte, zog sich dieses Unterfangen etwas in die Länge, da mich die Frau dort in ein längeres Gespräch
verwickelte. Nach einer Weile kam ein Mann herein und ich wurde ihm vorgestellt. Er machte eine Bemerkung
darüber, dass wir immer noch in Vonda seien (scheinbar hatte sich unsere Anwesenheit im Ort herumgesprochen)
und lud uns zum alljährlichen „Vonda Strandfest“ am 1. August ein. Die Frau von der Gemeinde ermunterte mich,
unbedingt hinzugehen. Ich bekam genaue Anweisungen, wie ich zu dem Fest gelangen würde und ich versprach zu
kommen. Ich nahm an, dass es sich dabei um ein Fest handelte, das die Gemeinde jedes Jahr veranstaltete.
Am Nachmittag fuhren wir ins „Champêtre County“ (siehe Fotoalbum), eine Art Wildweststadt, die ein Farmer auf
dem Gelände seiner ehemaligen Farm errichtet hat. Alte Gebäude wurden aus der näheren und weiteren Umgebung
zusammengetragen und dort wieder aufgebaut. Die Anlage bietet Camping, Bed und Breakfast, Konferenzräume,
ein Ferienhaus, Tiere, Spielplatz, Saloon, Restaurant und kann für Hochzeiten (mit Hochzeitskutsche), Tagungen
oder einfach nur für Urlaub auf dem Bauernhof gemietet werden. Besichtigungen sind auch möglich: für $ 20
bekamen wir die Grand Tour von der Besitzerin.
Anschließend fuhren wir nach Prud’homme, einige Kilometer nordwestlich von Vonda, um ein paar Kirchen und das alte
Gefängnis zu fotografieren. Ukrainische Einwanderer erbauten vor über 100 Jahren viele größere und kleinere
griechisch-orthodoxe Kirchen in dieser Gegend, die bis heute fast alle liebevoll in Stand gehalten werden, obwohl
kaum noch Gottesdienste darin abgehalten werden (siehe Fotoalbum). Auch Kirchen von französischen und anderen
Einwanderern erweckten unser Interesse und wir machten Fotos. Das Fotografieren von Kirchen (hauptsächlich
griechisch-orthodox) entwickelte sich fast zu einem Hobby während unseres Aufenthaltes in diesem Teil von
Saskatchewan.
Der 29. Juli war mit 16 °C recht kühl und die Sonne kam nur ab und zu raus, als wir an diesem Tag zum Batoche
Schlachtfeld der Nordwest-Rebellion von 1885 fuhren (siehe Fotoalbum). Hier ein paar Informationen zu den
historischen Hintergründen der Rebellion: Batoche (< - - bitte anklicken). Auf der Rückfahrt von Batoche nach
Vonda überquerten wir den South Saskatchewan Fluss zweimal mit der Fähre (siehe Fotoalbum). Wir wollten nach
Rosthern auf der anderen Seite des Flusses zum Abendessen fahren. Auf der Karte sah es so aus, als ob Rosthern
ein größerer Ort sei, aber das war ein Trugschluss. Wir fanden aber ein kleines Hotel mit Restaurant, wo ich mutig
ein ukrainisches Gericht mit Borscht als Vorspeise und Piroggen, Krautwickeln und Wurst als Hauptspeise bestellte.
Mein Mut wurde belohnt; alles schmeckte prima! Chuck andererseits bekam ein total versalzenes Ribeye Steak
vorgesetzt, das letztendlich peu à peu über die nächsten paar Tage in Lobos Futternapf landete. Auch dieser
Ausflug brachte uns wieder ein paar Fotos von griechisch-orthodoxen Kirchen ein.
In dieser Nacht geschah es, dass Lobo in sein Bett kackte. Dieser Hund, der seit dem Tag an dem er stubenrein
wurde, lieber geplatzt wäre, als dass er etwas ins Haus gemacht hätte, besudelte sein Bett und schlief dann
daneben weiter. Wir konnten es kaum fassen! Bei all den Hunden, die uns in über 40 Ehejahren begleiteten, mussten
wir uns mit Hundesenilität nie auseinandersetzen. Sie starben alle, oder mussten eingeschläfert werden, bevor es
dazu kam. Lobo weckt uns sonst immer auf, wenn er raus muss und das geschieht jetzt im Alter auch öfters nachts.
Dass er es in dieser Nacht nicht tat, können wir nur damit erklären, dass er einen seiner verwirrten Momente hatte,
die wir sonst manchmal tagsüber miterleben.
Die letzten zwei Julitage waren ziemlich kühl (< 18°C). Am 30. Juli blieben wir auf dem Campingplatz, nur Chuck
fuhr mal kurz los, um unsere Propantanks auffüllen zu lassen. Tags darauf (Freitag) machten wir eine Rundfahrt
durch die kleinen Ortschaften in der Nähe von Vonda und fanden in Smuts und Alvina noch ein paar ukrainische
Kirchen (siehe Fotoalbum). Zum Großeinkauf ging es anschließend ein letztes Mal nach Saskatoon, denn die
Speisekammer und der Kühlschrank begannen große Lücken zu zeigen. Da am Montag unser geplanter Abreisetag
war und wir unsere Vorratskammer immer gut gefüllt haben möchten, wenn wir ins Unbekannte aufbrechen, wollten
wir dies noch vor dem Wochenende erledigen, denn am Samstag (1. August) hatten wir keine Zeit dazu, da waren wir
zum „Vonda Strandfest“ eingeladen und am Sonntag mussten wir uns für die Abreise vorbereiten.
Fortsetzung folgt…..
Und es werden hoffentlich noch viele Fortsetzungen folgen, denn unser Vagabundenleben bereitet uns weiterhin die
größte Freude! ;-) !
Der Gedanke ans wieder Sesshaftwerden lässt bei keinem von uns beiden große Begeisterung aufkommen :-( !!
In diesem Sinne wünschen wir uns selbst „Gute Fahrt“!



