Jedes Nachricht-Eingabefeld im Gästebuch ist auf ca. 250 Buchstaben einschließlich Leerzeichen beschränkt. Für längere Mitteilungen schickt uns bitte eine E-Mail unter: morton@rmortonc.com
|
,,Das Reisen ist der Mortons Lust"
Reisebericht Mai 2009
Unser Reisegebiet
Reisebericht Mai 2009 (beginnt im Navajo Lake State Park nordöstlich von Farmington, New Mexico)
Jedes Nachricht-Eingabefeld im Gästebuch ist auf ca. 250 Buchstaben einschließlich Leerzeichen beschränkt. Für längere Mitteilungen schickt uns bitte eine E-Mail unter morton@rmortonc.com
|

Die ersten paar Tage im Mai verbrachten wir noch am Navajo See in New Mexico. Lobo ging es zwischenzeitlich mal
wieder nicht so gut und wir blieben auf dem Campingplatz und beschäftigten uns mit alltäglichen Dingen. Am 5. Mai
ging unser dreiwöchiger Aufenthalt dort zu Ende und wir fuhren zuerst nach Farmington, wo wir Proviant einkauften
und ein letztes mal „billig“ tankten ($ 1,97 für eine Gallone Diesel [= 3,79 l]), bevor wir dann auf der US Highway 64
wieder Richtung Westen dem Navajo Indianer Reservat zusteuerten. Unser vorläufiges Ziel war „Monument
Valley", das zum Teil im nördlichen Arizona liegt und ein kleinerer Teil im südlichen Utah. Wir hatten geplant
unterwegs zu übernachten, konnten aber keinen Campingplatz oder anderweitig geeigneten Platz finden, und fuhren
somit die gesamte Strecke bis zum „Gouldings Camp Park“ im Monument Valley, wo wir uns für zwei Nächte
einmieteten.
Am nächsten Morgen zogen wir los, um uns die berühmteste aller Westernfilmkulissen anzuschauen: Monument
Valley. Die eindrucksvollen Sandsteintürme und -spitzen, liegen im Navajo Indianer Reservat und das Gebiet ist
geschützt als ein „Navajo Tribal Park”. Die Navajo Indianer leben seit vielen Jahrhunderten zwischen den
gewaltigen Sandsteingebilden und dies ist auch heute noch Heimat vieler Navajo Familien, die ihre Traditionen, ihre
Sprache, ihre Kunsthandwerke, ihre Lebensart und ihre harmonische Beziehung zum Land bewahrt haben. Besucher
können entlang einer ungeteerten Straße fahren, die an den berühmten Sandsteintürmen vorbeiführt. Alle
Seitenwege, die zu den „Hogans“ <-- der Bewohner führen, sind für den Touristenverkehr gesperrt.
Wir hatten ein Picknick fürs Mittagessen geplant, welches wir im Schatten eines kleinen Baumes und mit Blick auf die
Yei Bi Chei <-- einnahmen (siehe Fotoalbum). Auf unseren Streifzügen durch das Monument Valley begegneten uns
viele japanische Touristen, die alle mit Mundschutz versehen waren. Das sah ziemlich ulkig aus, aber wir waren ihnen
trotzdem sehr dankbar, dass sie so rücksichtsvoll waren und uns nicht anstecken wollten ☺.
Als wir am späten Nachmittag zum Campingplatz zurückkehrten, gönnten wir uns ein Nickerchen und nach dem
Abendessen gingen wir zu „Gouldings Lodge“ <--, um uns einen Dokumentarfilm über Monument Valley, wie auch die
Geschichte des Gouldings Trading Post im Monument Valley <-- anzuschauen.
Tags darauf verließen wir Monument Valley und fuhren weiter in nördlicher Richtung, über Mexican Hat (siehe
Fotoalbum), Blanding und Monticello bis La Sal, am Fuß der La Sal Gebirgskette. Dort mieteten wir uns für eine
Woche im „Mountain View RV Park“ ein; ein privater Campingplatz, der zwar nicht besonders schön angelegt war,
aber einen herrlichen Blick auf die Berge bot. Von La Sal aus unternahmen wir in der darauffolgenden Woche unsere
Ausflüge zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten, die der Bundesstaat Utah in der Umgebung von Moab <-- zu
bieten hat. Moab selbst ist ein sehr auf Tourismus ausgerichtetes Städtchen und die Campingplätze dort waren
trotz der zeitigen Saison bereits ziemlich voll. Da fühlten wir uns in La Sal besser aufgehoben, wenn auch die
Anfahrt zu einigen der Parks etwas länger war.
Gleich am nächsten Tag ging unser erster Ausflug zum „Arches National Park“ <-- (siehe Fotoalbum). In diesem
Nationalpark stehen über 2000 natürliche Sandsteinbögen (Arches) unter Schutz, u.a. der weltbekannte „Delicate
Arch“ und eine Vielzahl einzigartiger geologischer Formationen.
Das „Hole n“ the Rock Home“ (Haus im Felsen), eine etwas kuriose Attraktion am Straßenrand zwischen La Sal und
Moab, war unser Ziel am Tag darauf (siehe Fotoalbum).
Muttertag, 10.Mai 2009, unternahmen wir einen Tagesausflug über die „La Sal Mountain Scenic Loop Road“
(landschaftlich sehenswerte Strecke durch das La Sal Gebirge) und „National Scenic Byway 128“ <--
entlang am Colorado Fluss (siehe Fotoalbum). Mittags hielten wir in den Bergen an und fanden ein schönes Plätzchen
für unser Picknick (siehe Fotoalbum). Als wir zur Dewey Brücke kamen, die im National Register of Historic Places
(Nationales Verzeichnis historischer Stätten) eingetragen ist, erlebten wir eine große Enttäuschung: die Brücke war
abgebrannt (siehe Fotoalbum). Wir beendeten unseren Tagesausflug mit einem Abendessen in Moab in einem guten,
chinesischen Restaurant.
Für Montagnachmittag hatten wir einen Flug über Canyonland gebucht, um uns die Schluchten aus der
Vogelperspektive anzusehen. Um 13 Uhr kletterten wir am Flughafen Moab Canyonlands Field mit unserem Piloten
und einem Ehepaar aus Düsseldorf in eine kleine Cessna und das Abenteuer begann. Ich durfte „Co-Pilot“ sein (siehe
Fotoalbum). Das Ehepaar saß hinter dem Piloten und mir, Chuck saß in der dritten und letzten Reihe der Sitze. Da
unser Pilot meine Dienste als Co-Pilot nicht in Anspruch nahm (Gott sei Dank), hatte ich ausreichend Gelegenheit zu
fotografieren, was allerdings bei dem Geruckel und Geschaukel in der kleinen Cessna nicht ganz einfach war (siehe
Fotoalbum). Der Dame aus Düsseldorf wurde unterwegs übel und als wir am Ende unseres Ausflugs aus der
Maschine stiegen, wirkte auch Chuck ziemlich mitgenommen. Es dauerte eine ganze Weile, bevor sich sein Magen
wieder beruhigte.
Auf dem Rückweg vom Flughafen nach La Sal hielten wir in Moab und erledigten ein paar Lebensmitteleinkäufe,
tankten ($ 2,29 für eine Gallone Diesel [= 3,79 l]) und fuhren anschließend zurück zum Campingplatz, um die
Fressalien zu verstauen. Nachdem es Chuck dann wieder besser ging, machten wir uns auf, um ein weiteres
Kuriosum dieser Gegend zu besuchen. Keine Touristenattraktion im herkömmlichen Sinn, sondern etwas, das unser
Interesse geweckt hatte, als Chuck zufällig im Internet auf einen Artikel <-- (auf Englisch) gestoßen war, in
welchem es um eine Gruppe fundamentalistischer Mormonen ging, deren Oberhaupt und Poligamist (Robert Dean
Foster) eine Höhlenbewohnerkommune gegründet hatte, nachdem er von der Mormonenkirche exkommuniziert
worden war und 1974 wegen Polygamie im Gefängnis gesessen hatte. Er ist voriges Jahr im Alter von 83 Jahren
gestorben und hinterließ 3 Ehefrauen, eine Ex-Ehefrau (von seiner ersten Frau ließ er sich [oder sie von ihm?]
scheiden, als er zum Fundamentalismus und zur Vielweiberei überging), 38 Kinder und 85 Enkelkinder.
Es wohnen auch andere fundamentalistische Mormonenfamilien in dem Berg, nicht alle betreiben Polygamie. Ich hatte
Gelegenheit, mich mit einer jungen Frau zu unterhalten, die dort wohnt. Ich glaube, die Frau, mit der ich sprach
(fast noch ein Kind) gehörte in eine Vielweiberehe. Sie selbst war schwanger und hatte das ganze Auto voller Kinder
im Vorschulalter, die sich alle ähnlich sahen.
Die Bauweise der Höhlenbehausungen war sehr interessant. Alle modernen Annehmlichkeiten, wie Strom, Fernsehen,
etc. sind vorhanden. Der Strom wird mit Solarzellen erzeugt. Ich habe Fotos gemacht, von der Außenansicht der
Höhlenwohnungen. In dem oben erwähnten Internetartikel ist ein Link mit Video, in welchem die Wohnungen auch von
Innen gezeigt werden. Chuck und ich haben sie nur von außen gesehen. Allerdings lieferte der UPS Lieferwagen
gerade Pakete in die Höhlen (siehe Fotoalbum) und das war auch recht sehenswert und amüsierte uns köstlich!
Auf unserer Suche nach den Höhlenbehausungen waren wir dem „Needles Overlook“ sehr nahe gekommen. Der
Needles Overlook zählt zu den schönsten Aussichtspunkten im Canyonlands Nationalpark mit einer
atemberaubenden Aussicht über die Wüste mit ihren Schluchten und Felsformationen. Wir beendeten den Tag mit
einem Abstecher dorthin (siehe Fotoalbum) bevor wir zum Wohnmobil zurückkehrten.
Der Tag darauf (12. Mai) war ein Ausruhetag, nur am Abend fuhren wir nach Moab, um in einer kleinen Brauerei
unser Abendessen einzunehmen. Das Restaurant war sehr voll und wir mussten warten, bevor wir einen Tisch
bekamen. Eigentlich ein gutes Zeichen, aber wir waren sehr enttäuscht. Dekor und Ambiente waren nicht so toll, Bier
und Essen waren mittelmäßig, die Bedienung war vergesslich und auf der Heimfahrt wurde uns bewusst, dass wir
gar nicht alles serviert bekommen hatten, was als Beilagen zu unseren jeweiligen Gerichten auf der Speisekarte
aufgeführt gewesen war.
Am 13. Mai blieben wir auf dem Campingplatz und bereiteten uns auf unsere Abreise vor. Am Abend verloren wir
für mehrere Stunden unsere Satelliteninternetverbindung und Chuck versuchte alles Mögliche, um sie wieder
herzustellen. Nach vielen Versuchen gab er auf und nach einer Weile erholte sie sich von ganz alleine wieder.
Wir verließen La Sal am Donnerstag (14. Mai) um 12:25 Uhr und fuhren auf US Highway 191 bis Price, Utah, wo wir
bei Wal-Mart und in der Apotheke ein paar Besorgungen machen mussten und verbrachten dann eine Nacht auf dem
Wal-Mart Parkplatz. Wir beehrten den Pizza Hut auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit unserem Besuch
zum Abendessen.
Am nächsten Tag ging die Reise auf US Highway 191 weiter. Von Price aus erklommen wir einen 2778 m hohen Pass
(siehe Fotoalbum), wir fuhren durch Duchesne und Roosevelt bis Gusher, wo wir eigentlich übernachten wollten, aber
der Campingplatz war sehr klein und voll besetzt mit Dauercampern. Auf der Weiterfahrt wurden wir von einem
äußerst aggressiven Lastwagenfahrer fast in die Böschung abgetrieben und der Kerl raste dermaßen, dass es
unmöglich war, sein Nummernschild zu lesen, sonst hätten wir das nicht so ohne weiteres hingenommen. Kurz vor
Vernal, Utah hielten wir auf einem Aussichtspunkt mit Rastplatz und entschlossen uns, dort zu übernachten. Bevor
es dunkel wurde, kamen zwei Polizisten mit ihren Streifenwagen, wahrscheinlich um eine kleine Pause einzulegen. Ich
unterhielt mich eine Weile mit ihnen und erzählte ihnen von dem Vorfall mit dem Lastwagen, nur um es mir von der
Seele zu reden, denn ohne Nummernschild konnten sie ja auch nichts gegen ihn unternehmen. Sie beteuerten mir ihre
Anteilnahme und als ich mich von ihnen verabschiedete, versprachen sie ganz unaufgefordert, dass sie nachts
Streifenwagen vorbeischicken würden, die nach uns sehen sollten, damit uns nichts passiert. Das war doch nett! Da
wir nicht die einzigen waren, die in dieser Nacht dort übernachteten, profitierten auch die anderen von diesem
Polizeischutz.
Am 16. Mai wachten wir zu herrlichem Sonnenschein und kühlen Temperaturen auf. Wir fuhren durch Vernal,
erklommen eine weitere steile Gebirgskette und hielten, oben angekommen, für ein Picknick. Über Utah Highway 44
(West) erreichten wir nach vielen Haarnadelkurven Manila, Utah. Etwas außerhalb des Ortes befindet sich die
Flaming Gorge National Recreation Area (Erholungsgebiet) (siehe Fotoalbum). Um 15 Uhr belegten wir Stellplatz 22
in der A-Schleife des Lucerne Valley Campingplatzes mit 50 Ampere Strom, Blick zum See, aber keinen
Wasseranschluss. Wir blieben dort bis zum 19. Mai. Lobo gefiel es sehr gut, er konnte im See baden gehen und
einmal schwamm er sogar. Das hat er schon lange nicht mehr gemacht. Meistens legt er sich nur ins seichte Wasser.
Bei einem unserer Abendspaziergänge begleitete uns eine Antilopenherde, als sie merkten, dass Lobo sie nicht jagt.
Ich hatte sogar das Gefühl, dass sie ihn durch wiederholtes Überqueren des Weges vor uns, zu einer Jagt
ermuntern wollten, aber er war nur mäßig an ihnen interessiert. Er ist halt alt und weiß, was er sich zumuten kann
und was nicht.
Am Abend vor unserer Abfahrt merkte Chuck, dass er seine Schlüssel verloren hatte. Da wir den Campingplatz seit
unserer Ankunft nicht verlassen hatten, konnten sie nicht weit sein. Er vermutete, dass es in der ersten Nacht
passiert war, als Lobo ihn mitten in der Nacht aufweckte, weil er raus musste (das passiert jetzt leider öfters).
Wir suchten beim Schein der Taschenlampen, aber das brachte nichts und endlich gaben wir auf. Am nächsten
Morgen versuchte Chuck sein Glück an der Rezeption, aber es waren keine Schlüssel abgegeben worden. Noch
einmal suchte er alles ab, besonders die Strecke, die er in jener Nacht mit Lobo gegangen war. Als er dann die
Suche aufgab und auf dem Weg zurück zum Wohnmobil war, sah er plötzlich seinen Schlüsselbund vor sich im Gras
liegen. Ende gut, alles gut!
Um 13 Uhr verließen wir das Flaming Gorge Erholungsgebiet, das direkt auf der Bundeslandgrenze zwischen Utah
und Wyoming liegt und fuhren nun im Bundesstaat Wyoming weiter in Richtung Norden. Wyoming ist mit etwa
500.000 Einwohnern der bevölkerungsärmste Bundesstaat der Vereinigten Staaten und nach Alaska der
Bundesstaat mit der zweitgeringsten Bevölkerungsdichte (2 Personen pro km²). Über Wyoming Highway 530
erreichten wir Green River. Von dort aus ging es auf der I-80 (Autobahn) ein paar Kilometer in östlicher Richtung
bis Rock Springs und dann trafen wir wieder auf die US Highway 191, die wir in Richtung Norden nahmen. In Farson
bogen wir ab auf Wyoming Highway 28 (Ost) und fuhren bis Atlantic City, so benannt, weil es auf der Atlantikseite
der dicht daran vorbeiführenden kontinentalen Wasserscheide liegt. Der South Pass, wie auch South Pass City (jetzt
eine Geisterstadt) liegen ganz in der Nähe. Der South Pass (2265 m über dem Meeresspiegel) war der zentrale
Punkt für die Siedlerströme bei der Besiedelung des amerikanischen Westens in den Jahren zwischen 1830 und
1869 und der erste Übergang über den Kamm der Rocky Mountains, der mit Planwagen passiert werden konnte.
Diese geschichtsträchtige Gegend wollten wir uns ein wenig näher ansehen. Wir belegten einen Stellplatz auf einem
BLM <-- Campingplatz (Campingplatz des US Landverwaltungsamtes), der noch im Winterschlaf lag. Die
Wasserleitungen waren nicht angestellt, der Stellplatz des Campinghosts war unbesetzt und bezahlen konnte man
auch nicht, denn es war niemand da, um zu kassieren. Die Box, wo man sonst seinen Obolus einwerfen konnte, war
auch abmontiert. Es war ein herrlicher Campingplatz mitten im Wald und wir sahen Bärenspuren und die Spuren
vieler anderer wilder Tiere. Außer uns waren nur noch zwei andere Camper da. Der eine war ein alter Herr mit
seinem Hund, ein pensionierter Lehrer, wie er mir erzählte, als ich mit Lobo spazieren ging und er mich ansprach,
weil sein anderer Hund erst kürzlich gestorben war und Lobo sehr ähnlich gesehen hatte. Den anderen Camper
bekamen wir nicht zu Gesicht und beide verließen den Campingplatz am nächsten Tag.
Wir besuchten South Pass City State Historic Site (staatliche, historische Stätte), welches als Freilichtmuseum mit
25 restaurierten Häusern ausgestaltet ist (siehe Fotoalbum). Neben dem ursprünglichen South Pass City (eine
Goldgräberstadt), welches jetzt die staatlich historische Stätte ist, stehen ein paar Häuser neueren Datums, in
welchen noch Leute wohnen, sieben an der Zahl. Genaugenommen ist darum der Begriff „Geisterstadt“ nur für den
alten Teil der Stadt zutreffend.
Von dort aus fuhren wir zu „Willie’s Handcart Monument“ (siehe Fotoalbum), einer Gedenkstätte, wo im Oktober
1856 fünfzehn der 77 Mormonen Pioniere beerdigt wurden, die in Captain James G. Willie's Handcart Company,
einer ursprünglich 404 Personen starken Pioniergruppe mit Handwagen, den Strapazen der Reise unterlegen waren.
Auf der Rückfahrt zum Campingplatz war unser TomTom GPS System auf den Feldwegen im historischen Hinterland
von Wyoming total überfordert und als wir irgendwann am verriegelten Tor eines Weidezauns landeten, kehrten wir
um und versuchten ohne Hilfe moderner, technologischer Geräte zurückzufinden, was uns letztendlich auch gelang.
Am späten Nachmittag fuhren wir nach Lander, einer etwa 40 km entfernten Ortschaft, um zu tanken. Wir hatten
im Laufe des Tages zu viel Diesel verfahren und befürchteten, dass wir nicht genug Sprit haben würden, um es mit
dem Wohnmobil in Tau bis zur nächsten Tankstelle (in Lander) zu schaffen. Als wir unterwegs am „Red Canyon“
vorbeifuhren, verschlug es uns bei dem Anblick wirklich die Sprache. Auf dem Rückweg hielten wir an und
fotografierten den Canyon (siehe Fotoalbum). Ein besserer Fotograf oder eine bessere Kamera (oder beides)
hätten die Farbnuancen wahrscheinlich wirksamer hervorheben können, aber auch so bekommt man eine ungefähre
Vorstellung von der Schönheit dieses Canyons.
Zurück auf dem Campingplatz grillte Chuck Steaks über dem Lagerfeuer, bevor wir uns für eine ziemlich kalte
Nacht in unsere vier Wände zurückzogen. Das Thermometer sank auf 1,4 °C in den frühen Morgenstunden. Unser
Campingplatz lag auf einer Höhe von 2345 m und die kalten Temperaturen waren nicht das Einzige, das uns dort zu
schaffen machte. Mein Blutdruck war auch nicht begeistert von der Höhenluft.
Am nächsten Tag blieben wir tagsüber auf dem Campingplatz, nur Chuck machte einen kurzen Ausflug auf der Suche
nach einem Handynetz, da er telefonieren wollte. Aber wir waren zu weit ab von jeglicher Zivilisation. Während
Chuck unterwegs war, streiften Lobo und ich durch den Wald, erklommen den Berg an dessen Fuße unser
Campingplatz lag und fanden Schnee, als wir oben ankamen. Zum Abendessen grillten wir Lachs am Lagerfeuer und
in unserem gusseisernen Lagerfeuertopf frittierten wir „Indian Fry Bread“ (indianisches Fladenbrot). Danach
machten wir eine Spazierfahrt über die Fort Stambaugh Road. Es ging vorbei an der Geisterstadt „Miner’s Delight“
(leider war es schon zu spät am Abend, um ihr einen Besuch abzustatten, aber wir hatten zu einem späteren
Zeitpunkt noch Gelegenheit dazu), vorbei an der Stelle, wo sich zwischen 1870-1878 Fort Stambough befand, das
zum Schutze der Goldgräber in den umliegenden Goldgräberstädten angelegt worden war. Aber zu sehen gab es
bei dem Fort nichts mehr außer einer Gedenktafel.
Am 22. Mai verließen wir unser schönes Fleckchen auf dem Atlantic City Campingplatz und fuhren Richtung Lander.
Kurz nachdem wir am Red Canyon vorbei gefahren waren, überholte uns ein PKW und deutete uns anzuhalten. Wir
fuhren an den Straßenrand und die Beifahrerin des PKWs machte uns darauf aufmerksam, dass unsere hintere
Radachse am Wohnmobil qualmte. Chuck überprüfte die Situation und es sah nicht gut aus. Wir kontaktierten den
Pannendienst über „Onstar“ <--, da wir immer noch kein Handynetz hatten. Der Pannendienst versuchte einen
Abschleppdienst in unserer Gegend ausfindig zu machen, der in der Lage ist, ein Aufliegerwohnmobil abzuschleppen,
dessen Radachse defekt ist. Dies erwies sich als problematisch. Es war Freitagnachmittag und Montag war
Feiertag. Dieser Umstand erschwerte die Situation zusätzlich. Der Pannendienst wollte uns deshalb fürs
Wochenende nur bis Lander bringen lassen, in der Hoffnung, dass wir dann vor Ort eine Werkstatt finden würden,
denn sie konnten in ihren Datenbanken nur eine in Riverton finden, das war noch mal 40 km weiter. Sollten wir keine
Werkstatt in Lander finden, dann würde der Abschleppdienst am Dienstag noch einmal kommen, mit Tieflader und
uns huckepack nach Riverton bringen. Als uns dann endlich ein Abschleppdienst zurückrief, der glaubte uns helfen
zu können, stellte sich heraus, dass sein Standort in Rock Springs war, 160 km von uns entfernt. Chuck und der
Mann von diesem Abschleppdienst besprachen die Sachlage. Um ein Wohnmobil in unserer Situation abzuschleppen,
muss man es rückwärts auf einen Tieflader fahren. Ein etwas schwieriges Unterfangen. Der Mann vom
Abschleppdienst schlug Chuck vor, das Rad zu entfernen, die Radachse hochzuketten und er würde dann hinter uns
mit blinkenden Warnlichtern herfahren, während wir im Schneckentempo auf drei Rädern die relativ kurze Strecke
bis Lander zurücklegten. Chuck erklärte sich bereit, dies zu versuchen. Wir warteten geduldig bis der Mann
eintraf, Chuck legte sich derweil für ein Nickerchen ins Bett und als der Mann dann kam, wurde alles so gemacht wie
Chuck und er besprochen hatten. Mit 20 kmh krochen wir nach Lander zum Campingplatz und der Abschleppwagen
fuhr mit Blinklicht hinter uns her, während der Mann aufpasste, dass die Radachse oben blieb. Wir hatten uns für
einen anderen, mehr zentral gelegenen Campingplatz in Lander entschieden und dort auch schon angerufen, als der,
zu dem uns der Pannenservice hatte schicken wollen. Das war gut so, denn unsere Pechsträne brach nach unserem
Eintreffen dort abrupt ab. Der Besitzer des Campingplatzes war sehr besorgt um uns und wir sollten auch erst
bezahlen, wenn wir wüssten, wie lange wir bleiben müssen (sonst gilt auf allen Campingplätzen Vorauszahlung). Da
wir in Lander aus dem Funkloch heraus waren, setzten wir uns als erstes mit der Werkstatt in Riverton in
Verbindung. Die wussten schon Bescheid, teilten uns aber gleichzeitig mit, dass wir während der Reparatur ins
Hotel müssten. Riverton ist auch kein besonders großer Ort und viel Auswahl an Hotels, die Hunde nahmen, gab es
nicht. Große Hunde sind in amerikanischen Hotels, wenn sie denn schon Hunde nehmen, meist ein Problem. Lange
Rede, kurzer Sinn, wir konnten kein Hotel finden, wo wir Lobo hätten mitnehmen können. Umso mehr Grund eine
Werkstatt in Lander zu finden. Chuck fand auch ein paar Werkstätten, rief an, aber zwischenzeitlich war es so spät
geworden, dass er nur noch Anrufbeantworter erreichte. Wir machten es uns übers lange Wochenende gemütlich
auf unserem Campingplatz und hofften auf Rückrufe und Erfolg am Dienstag.
Wir vertrieben uns die Zeit mit kochen, putzen, basteln, Wäsche waschen, fernsehen, essen, am Computer und Gassi
gehen und bevor wir es uns versehen hatten, war es Dienstagmorgen und als ich aufstand und zum Fenster
hinausschaute, sah ich Chuck mit einem Mann draußen, der sich unsere Radachse eingehend betrachtete. Seine
Werkstatt war nur um die Ecke ein paar Straßen weiter von unserem Campingplatz entfernt und er versicherte uns,
bis Freitag würde er alle Ersatzteile beieinander haben, dann könnten wir mit unserem Wohnmobil zu seiner
Werkstatt umziehen, wo auch Strom-, Wasser- und Abwasseranschlüsse vorhanden seien und wir könnten während
der Reparatur drin wohnen! Genau so hatten wir uns das vorgestellt ☺!
Bis Freitag hatten wir ein paar freie Tage und am Mittwoch besuchten wir zuerst Sinks Canyon State Park ein paar
Kilometer außerhalb von Lander (siehe Fotoalbum). Dort fließt der „Popo Agie“ (Aussprache: Popo-scha) Fluss durch
die Schlucht und verschwindet plötzlich in einer Höhle im Berg, um nach 400 m Entfernung wieder aus der Erde
hervorzusprudeln. Durch Farbtests wurde nachgewiesen, dass das Wasser zwei Stunden für die 400 m braucht und
dass mehr Wasser heraus fließt, als am anderen Ende hinein geflossen ist. Wie und warum die Verzögerung eintritt
und woher das zusätzliche Wasser kommt, konnte bisher nicht unwiderlegbar geklärt werden.
Unser zweites Ausflugsziel an diesem Tag war die bereits erwähnte Geisterstadt „Miner’s Delight“, alias „Hamilton
City“ (siehe Fotoalbum).
Am nächsten Tag bereiteten wir uns für unseren Umzug zur Werkstatt vor. Lobo wollte in der Nacht zum Freitag
ständig raus und nachdem Chuck viermal mit ihm draußen war, schlug ich Donnerwetter! Danach war Ruhe und wir
konnten endlich schlafen.
Um 10:30 Uhr zogen wir zur Werkstatt um, nachdem Bill, unser Mechaniker und Besitzer der Werkstatt, unsere
Radachse vorher wieder hoch gekettet hatte. (Die andere Kette hatte der Mann vom Abschleppdienst wieder
mitgenommen bevor er uns verließ.) Der Umzug verlief reibungslos und wir bauten unser Camp neben der
Werkstatt auf. Da alles für unseren Komfort vorhanden war, hatten wir auch keine Einwände, als Bill uns fragte, ob
es uns etwas ausmachen würde, wenn er mit der Reparatur erst am Montag beginnen würde, da er einen dringenden
Auftrag an einem Streifenwagen der Indianerreservat Polizei bekommen habe. Wir hatten so viel Zeit mit Warten
verbracht, dass es auf diese zwei Tage nun auch nicht mehr ankam. Außerdem ging es meinem Blutdruck in Lander
bei nur 1633 m wieder viel besser und somit hatten wir keine Eile, von dort wegzukommen. Wir fuhren am Abend
nach Riverton, erledigten dort einige Einkäufe und aßen im „Golden Corral“ zu Abend. „Golden Corral“ ist eine
Restaurantkette, die uns bisher eigentlich noch nie enttäuscht hatte, aber das Restaurant in Riverton war die
Ausnahme! Das Buffet war schlecht bestückt und die Speisen schmeckten langweilig, allerdings war das Personal
sehr nett.
Am Samstag (30. Mai) fuhr Chuck los, um alle unsere Propantanks auffüllen zu lassen und danach machte er einen
Abstecher zur Bibliothek, um Nachforschungen anzustellen, hinsichtlich seines Vaters, der 1930 irgendwo in
Wyoming gelebt hatte, bevor er nach Kentucky zurückkehrte, Chucks Mutter kennenlernte und heiratete. Chuck war
auch erfolgreich und fand heraus, dass es in Buffalo, Wyoming war. Die Tatsache, dass eine Fahrt nach Buffalo
keinen allzu großen Umweg von unserer geplanten Reiseroute bedeuten würde, legte die Erwägung nahe, diese
Möglichkeit im Auge zu behalten.
Eigentlich hatten wir geplant am Sonntag ins Museum in Lander zu gehen, eine Art „Wildwest / Indianerland
Heimatmuseum“, aber es war sonntags und montags geschlossen und somit konnte der Museumsbesuch erst am
Dienstag stattfinden. Wir werden im Juni Reisebericht darüber berichten.
Fortsetzung folgt…..

