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,,Das Reisen ist der Mortons Lust"
Reisebericht April 2009
Unser Reisegebiet
Reisebericht April 2009 (beginnt im Fool Hollow Lake State Park bei Show Low, Arizona)
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    Das war ein sehr erlebnisreicher Monat, dieser April 2009!

    Wie jedes Jahr, feierten wir am 2. April unseren Hochzeitstag. Dies war der „41-ste“. Chuck hat sich deutsche
    Pfannkuchen zum Brunch gewünscht und da wir ziemlich ,,j.w.d.“ waren, sind wir auch zum Abendessen daheim
    geblieben und nicht, wie sonst zu dieser Gelegenheit, ins Restaurant zum feiern gegangen. Ich hatte schon Tage
    vorher einen Sauerbraten eingelegt und den ließen wir uns am Abend mit den dazugehörigen Beilagen munden.
    Leider war Chuck am Nachmittag ziemlich dumm gestürzt, wobei er sein Knie, seine Hand und seinen Fuß verletzte.
    Da war es dann sowieso besser, dass wir keine Pläne zum Ausgehen gehabt hatten und er sich etwas schonen konnte.

    Tags darauf ging unsere Reise weiter. Wir verließen unser schönes Plätzchen im Wald am Fool Hollow See und
    fuhren über Show Low, Holbrook und Autobahn I-40 West bis Winslow, Arizona (siehe Reiseroute), wo wir uns für
    drei Tage im nahegelegenen Homolovi Ruins State Park niederließen und von dort aus ein paar Tagesausflüge
    machten. Winslow begrüßte uns mit einem Sandsturm und der Wind war so stark bei unserer Ankunft im Park, dass
    wir vorerst davon absahen, die Erker des Wohnmobils auszufahren. Da wir somit auf etwas engerem Raum waren
    und nicht viel tun konnten, fuhren wir nach Winslow und schauten uns die (nicht sehr aufregende) Stadt an. Danach
    gab es ein auf Esstellern in der Mikrowelle aufgewärmtes Sauerbraten-Resteessen zum Abendbrot. Wir waren in
    diesem Park auf unseren Wassertank im Wohnmobil angewiesen, denn da nachts noch Frost zu erwarten war, hatte
    man die Wasserversorgung zu den einzelnen Stellplätzen des Campingplatzes noch nicht wieder hergestellt.
    Deshalb war es sowieso besser, wenn wir nicht viel dreckiges Geschirr abspülen mussten.

    Am 4. April machten wir unseren ersten Tagesausflug. Dieser ging zur „bunten Wüste“ = Painted Desert und zum
    „versteinerten Wald“ = Petrified Forest, ein Nationalpark östlich von Holbrook und etwa 90 km von unserem
    Campingplatz entfernt (siehe Reiseroute und Fotos). Leider war es noch immer ziemlich windig und die Sonne ließ
    sich auch nur gelegentlich blicken, deshalb ist die Farbenpracht in den Fotos, die wir an diesem Tag aufnahmen, nicht
    so spektakulär, wie das bei günstigeren Wetterbedingungen der Fall gewesen wäre. Am Abend, als wir auf der
    Rückfahrt vom Nationalpark durch Holbrook fuhren, hielten wir beim „Butterfield Stage Company Steakhouse“ zum
    Abendessen.

    Am nächsten Morgen wachten wir zu einem wolkenlosen Himmel auf, mit herrlicher Sicht zum San Francisco Peak
    (3862 m), der noch etwas Schnee auf dem Gipfel hatte (siehe Fotos). Chuck nutzte das schöne Wetter, um die
    Reifen am Wohnmobil zu rotieren und am Nachmittag schauten wir uns die Homolovi Ruinen II an, eine von vier
    (ursprünglich sieben) Ausgrabungsstätten in diesem Gebiet und die größte von allen. Nur zwei der Ruinen sind
    derzeit zugänglich und bei der anderen, Homolovi Ruine I, soll es nicht viel zu sehen geben, wie uns der Park Ranger
    versicherte, da die Stätten aus Sicherheitsgründen nach Beendigung der Ausgrabung wieder zugeschüttet werden.
    Ausgrabungen an diesen Ruinen, wo zwischen 1260 und 1400 ein Anasazi Pueblo mit 1200 Räumen stand, werden seit
    1896 vorgenommen. Die ersten dieser Ausgrabungen waren aber eher illegaler Natur, um archäologische Artefakte
    zu erbeuten. Letzteres hat für Archäologen unersetzliche Fachinformation zerstört.
    Nachdem wir uns in die vorkolumbische Vergangenheit begeben hatten, kehrten wir in die Gegenwart zurück und
    besuchten das Städtchen „Winslow“ ein zweites Mal. Diesmal ohne Sandsturm und bei herrlichem Sonnenschein,
    wollten wir die wichtigste Straßenecke des Ortes fotografisch festhalten (siehe Fotoalbum). Auch Winslow,
    Arizona  hat etwas zu bieten! ☺

    Am nächsten Nachmittag brachen wir unsere Zelte im Homolovi Ruins State Park ab und drangen tief ins
    Indianerland ein. Arizona Highway 87 (Nord) führte uns durchs Hopi Indianerreservat bis Second Mesa (siehe
    Fotoalbum) und von dort aus ging es in östlicher Richtung bis kurz vor Ganado. Letzteres befindet sich bereits im
    Navajo Nation Indianerreservat. Wir bogen auf der US Highway 191 (Nord) ab und fuhren weiter bis Chinle, das
    etwa 63 km nördlich von Ganado liegt und dicht am Eingang zur Schlucht des Canyon de Chelly (sprich Schä-ii; eine
    spanische Übersetzung des Navajo Wortes „Tsegi"). „Canyon de Chelly“ bedeutet „Felsenschlucht" und ist ein
    National Monument. Es steht unter der Verwaltung des National Park Service, das Land gehört jedoch den Navajo
    (Diné).  Der Cottonwood Campingplatz steht ebenfalls unter der Verwaltung des National Park Service, ist
    kostenlos und bietet außer schattigen Stellplätzen mit Feuerstellen und Picknicktischen keine weiteren
    Annehmlichkeiten. Alles war recht primitiv, ohne Anschlüsse (Wasser, Strom, Kanalisation) und selbst Trinkwasser
    gab es nur aus einem einzigen Hahn, oder auf der Toilette. Als wir ankamen, waren die Leitungen zu den
    Gemeinschaftswasserhähnen in der Nähe der Stellplätze noch nicht angestellt und wir waren auf unsere
    Tankreserven angewiesen. Einen Kinderspielplatz und Gemeinschaftsgrillplatz gab es auch. Dort hatten die
    Indianerschulen dann am Gründonnerstag eine Ostereiersuche für die kleinen Winnetous, mit anschließendem
    Picknick und Grillfest.
    Unsere Nachbarn auf dem Campingplatz waren ein Mann mit seinem Sohn, die eine vierwöchige Canyon-Tour (Grand
    Canyon, Bryce Canyon, Canyon de Chelly, etc.) in Angriff genommen hatten und die beiden kamen aus
    Seifhennersdorf in Sachsen. Überhaupt wimmelte es dort nur so von Deutschen und Schweizer waren auch etliche
    da. Die meisten waren in gemieteten Wohnmobilen, aber wir sahen auch ein paar mit deutschen und schweizer
    Nummernschildern, die ihr Gefährt über den Atlantik geschifft hatten.
    Man darf maximal fünf Nächte auf dem Cottonwood Campingplatz bleiben und wir beschlossen, unser gesamtes
    Kontingent in Anspruch zu nehmen. Nach einer kalten Nacht zogen wir dann am Tag nach unserer Ankunft los, um uns
    mit unserer Umgebung vertraut zu machen. Zuerst fuhren wir zum Besucherzentrum und versorgten uns mit den
    nötigen Prospekten für den Canyon. Danach ging es in den Ort Chinle zum Tanken und dann waren wir soweit, die
    Südkante des Canyon de Chelly abzufahren (siehe Fotoalbum).

    Die Park Ranger hatten bereits darauf hingewiesen, dass für den Folgetag starker Wind angesagt war und wir
    machten uns darauf gefasst, dass somit ein Besichtigungstag ausfallen würde. So war es dann auch und außer einem
    Film über den Canyon de Chelly, den wir uns im Besucherzentrum anschauten und einem Besuch der historischen
    „Thunderbird Lodge“, wo wir zu Mittag aßen und in den Genuss von „Indian Fry Bread“ (flaches, frittiertes  
    Fladenbrot (Rezept)  kamen, gab es nicht viel zu unternehmen. Wir besuchten ein paar „Gift Shops“
    (Andenkenläden) in den Hotels und schauten uns das dort angebotene indianische Kunsthandwerk der Region an. Der
    Wind draußen machte es jedoch äußerst schwierig, vom Wagen zu den Gebäuden und zurück zu gelangen und wir
    gaben bald auf und kehrten zum Wohnmobil zurück.

    Gründonnerstag hatte sich die Wetterlage wieder beruhigt und es war ein ausgesprochen schöner, sonniger Tag.
    Wir stiegen auf dem einzigen Pfad, der es Besuchern erlaubt ohne Navajo Führer die Schlucht zu betreten, hinunter
    und besuchten die White House Ruine, so benannt, weil sie zum Teil weiß getüncht ist (siehe Fotoalbum). Eine
    Kletterpartie mit steilen Abhängen ist für mich immer ein etwas gewagtes Unterfangen, da ich nicht schwindelfrei
    bin, aber ich schaffte den Abstieg mit Bravur. Unten angekommen, ging es vorbei an einem bewohnten Hogan
    (Rundhaus) inmitten eines bebauten Ackers (fotografieren an dieser Stelle verboten). Der traditionelle Hogan ist
    die Wohnstätte der Navajo-Familie. Ein Rauchloch im flachen Balkendach ist die Verbindung zum Himmel, der
    Lehmboden zur Erde. Durch die Tür in Richtung Osten wird die aufgehende Sonne begrüßt.
    Wir überquerten den „Chinle Wash“ über einen schmalen Steg und erreichten ein paar hundert Meter weiter die
    Ruine. Vor der Ruine saßen Navajofrauen und auch ein paar Männer, die ihre Töpfer- und Schmuckwaren zum Kauf
    anboten. Ich unterhielt mich eine Weile mit ein paar Frauen, die gerade dabei waren, ihr Mittagessen über dem
    offenen Feuer zuzubereiten und dann folgte ich Chuck zur Ruine. Dort angekommen, packte ich unsere
    Wasserflaschen und Knappersachen aus und nachdem wir uns gestärkt hatten, schauten wir uns die Ruinen etwas
    genauer an. Wir waren die einzigen Besucher zu diesem Zeitpunkt. White House Ruine ist eine kleine Siedlung,
    gebaut vor etwa 1250 Jahren. Sie besteht aus zwei Teilen, einer am Fuß der Felswand und ein zweiter einige Meter
    darüber in einer Felsnische. Mit einem Blick an der gegenüberliegenden Felswand nach oben, sieht man den
    Aussichtspunkt „White House Overlook“, der Ursprung unseres etwa zwei Kilometer langen und steilen Weges in die
    Tiefe. Als wir unsere Besichtigung beendet hatten und im Begriff waren, unseren Rückweg anzutreten, kamen die
    „faulen Touristen“ (siehe Fotoalbum) auf zwei Unimogs angefahren. Wir räumten geschwind das Feld und als wir
    wieder an den Händlern vorbei gingen und ich mich erkundigte, ob das Mittagessen geschmeckt habe, schenkte uns
    eine der Indianerinnen zwei frisch zubereitete „Indian Fry Breads“ und gab uns verbal das Rezept dazu. Da sie es
    in der Pfanne über dem offenen Feuer zubereitet hatte, schmeckte es leicht rauchig und war noch viel besser als
    das, was wir im Restaurant am Tag zuvor gegessen hatten. „Indian Fry Bread“ wird oftmals mit Honig gegessen,
    oder mit Zimt und Zucker aber es werden auch Tacos daraus gemacht, die dann Indian Tacos oder Navajo Tacos
    genannt werden. Oder man isst es als Beilage zu einer Mahlzeit oder zum Salat. Wie auch immer, es ist lecker!
    Nachdem wir uns für das Indian Fry Bread gebührend bedankt hatten, begannen wir unseren Aufstieg. Auf halber
    Höhe bekam ich unerwarteter Weise eine Panikattacke: die Höhenangst setzte voll ein! Ich setzte mich in eine
    Felsnische und wartete auf bessere Zeiten. Dass mir dies beim Aufstieg, statt beim Abstieg passieren würde,
    hatte ich nicht erwartet. Nach einer Weile ging es mir wieder besser und wir setzten unseren Weg fort. Bevor wir
    oben ankamen, trafen wir auf ein Ehepaar aus Darmstadt, die unterwegs in Richtung White House Ruine waren und
    wir unterhielten uns eine Weile mit den beiden. Letztendlich landeten wir wieder auf dem Parkplatz, stiegen in den
    Truck und fuhren nach Chinle, wo wir einen Flohmarkt besuchen wollten. Es gab dort viel Ramsch aber was uns am
    meisten beeindruckte, war ein Tisch, wo ein Indianer haufenweise DVD Raubkopien verkaufte, ohne den geringsten
    Versuch zu machen, zu verbergen, was er da zum Kauf anbot. Scheinbar hat die Navajo Nation Police wichtigere
    Dinge zu tun, als sich um Raubkopien zu kümmern! Nach dem Umweg zum Flohmarkt setzten wir unsere Canyon-Tour
    fort und besuchten die Nordkante der Schlucht (siehe Fotos). Mein linkes Knie hatte beim Aufstieg aus der Schlucht
    begonnen, mir etwas Ärger zu bereiten und als wir an der Nordkante ankamen, fing ich regelrecht an zu humpeln,
    sah aber trotzdem noch alles, was wir uns vorgenommen hatten.
    Karfreitag machten wir einen Tagesausflug nach Fort Defiance und Window Rock, beide auf der Arizona Seite an
    der Grenze zu New Mexiko (siehe Fotoalbum) sowie Gallup in New Mexiko. Unterwegs hielten wir am „Hubbell
    Trading Post“, eine „National Historical Site“ (siehe Fotoalbum). Zu dem geplanten Besuch an der „Black Rock
    Natural Bridge“  zwischen Window Rock und Fort Defiance wurden wir in Window Rock an einer Tankstelle
    informiert, dass diese seit einigen Jahren für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sei. Später stellte sich
    allerdings heraus, dass man sie mit einem Navajo-Begleiter/Führer immer noch besuchen kann, aber das war dann
    zu spät für uns. Wir wollten die lange Strecke deswegen nicht noch einmal fahren und am nächsten Tag war sowieso
    unser Abfahrtstag von Chinle.

    Als wir am Abend von unserem Tagesausflug zum Campingplatz zurückkehrten, stellten wir fest, dass unser
    Wassertank leer war und wir mussten Wasser im Kanister anschleppen, um Geschirr waschen zu können. Der
    Propangastank war auch fast leer. Bevor wir am nächsten Tag Chinle, Arizona verließen, fuhren wir deshalb zum
    Propan tanken und dann ging es ab in Richtung Shiprock (siehe Reiseroute). Das liegt im nordwestlichen New Mexico,
    gehört aber immer noch zum Navajo Nation Indianerreservat.
    Das Leben auf einem Indianerreservat ist so ganz anders als sonst wo in Amerika. Was uns sehr gut gefiel, war,
    dass alle Tiere frei herumlaufen. Kühe, Schafe, HUNDE, Katzen, Ziegen, Pferde, etc., alle haben ihre Freiheit. Das
    hat leider den Nachteil, dass man des Öfteren ein totes Tier am Straßenrand sieht, aber in den Ortschaften, wo
    man langsam fahren muss, haben die Tiere die „Vorfahrt“. Es gibt schon Zäune, aber die halten nicht immer und
    keiner scheint sich etwas daraus zu machen. Man wartet bis das Tier die Straße überquert hat und dann geht die
    Fahrt weiter. Die Indianer sind uns gegenüber sehr freundlich, man wird angesprochen, es wird gescherzt und alle
    sind sehr nett. Was etwas lästig ist, ist dass man auch oft angesprochen wird, weil man etwas kaufen soll, aber wenn
    man sagt, dass man es nicht brauchen kann, oder das Geld dafür nicht hat, dann heißt es gleich, ob man denn dann
    nicht mit etwas Geld aushelfen könne, sprich: es wird gebettelt. Man sieht es vielen an, dass sie etwas mehr Geld
    gebrauchen könnten. Wir haben auch öfters ein Scheinchen hier, ein Scheinchen dort in die eine oder andere Hand
    gedrückt, ohne etwas gekauft zu haben, aber irgendwann ist das Maß voll und man hat genug. Wir haben ja auch
    keinen „Esel streck Dich“ im Wohnmobil versteckt. Als wir unterwegs von Chinle nach Shiprock in einem Ort mal kurz
    anhielten, kam ein Mann daher, begann eine freundliche Unterhaltung und als wir weiterfahren wollten, fing er an zu
    betteln. Ich hielt ihm einen Vortrag, dass wir Rentner sind und dass wir, seit wir auf dem Indianerreservat sind,
    ständig angebettelt werden und immer etwas gegeben haben, aber wenn das so weiterginge, dann bekämen sie bald
    Konkurrenz von uns. Er sagte, er verstehe das. Er stand neben meinem Fenster und ich hatte eine Flasche Tee im
    Wagen neben mir stehen. Da fragte er mich, ob ich ihm denn dann nicht wenigstens die geben könne. Ich drückte sie
    ihm in die Hand, er bedankte sich tausendmal, wir fuhren weiter und ich fühlte mich so richtig mies! Wie soll man das
    nur handhaben??
    Als wir in Shiprock ankamen, mieteten wir uns für zwei Nächte im To’Bahi RV Park ein. Ein privater Campingplatz,
    nicht sehr schön, aber mit Strom-, Wasser- und Kanalisationsanschluss (die Waschmaschine lief während unseres
    Aufenthalts dort die ganze Zeit auf Hochtouren!). Im Laufe des Nachmittags besuchte Lobo unsere Nachbarn, die
    einen Welpen hatten. Ich wollte Lobo zurückholen, da der Welpe kränklich wirkte und man bei einem Hund in Lobos
    Alter nicht vorsichtig genug sein kann. Er ist in letzter Zeit oft genug krank gewesen! Einer der Männer, die in dem
    kleinen Camper neben uns hausten, wollte wissen, was Lobo für eine Rasse sei und wie er heiße. Ich unterhielt mich
    ein wenig mit dem Mann und merkte schnell, dass er nicht ganz richtig im Kopf war, aber er war sehr freundlich und
    ich war es auch. Kurze Zeit später klopfte er an unsere Tür. Er hatte ein kleines Kästchen in der Hand mit ein paar
    Schmuckstücken darin und bot sie mir zum Kauf an. Es war wirklich nichts Berauschendes, aber ich lobte ihre
    Schönheit, sagte aber auch, dass ich es mir nicht leisten könne. Ich gab den Eindruck in Eile zu sein (ich war am
    Kochen) und er kam nicht dazu zu betteln und ging wieder, aber mir ist einfach gar nicht wohl bei solchen
    Erlebnissen.  

    Am Ostersonntag fuhren wir zum „Four Corners Monument“ (= Vier Ecken Denkmal), dort wo Arizona, New Mexiko,
    Utah und Colorado auf einem Punkt zusammen kommen (siehe Fotoalbum). Wir fuhren auch einmal um das Denkmal
    herum und können nun mit Stolz und ganz wahrheitsgemäß verkünden, dass wir es geschafft haben, in 30 Sekunden
    durch vier Bundesstaaten zu fahren! Auf der Rückfahrt vom „Four Corners Monument“ zum Campingplatz machten
    wir einen Schlenker durch Colorado und fuhren anschließend zum Shiprock Peak (siehe Fotoalbum), nach welchem die
    Stadt benannt wurde.
    Ostermontag verließen wir gegen 16 Uhr Shiprock, mit 8156 Einwohnern (2000 Zensus) die größte Stadt der Navajo
    Nation. Trotz seiner günstigen Lage zu nahen Touristenattraktionen und an der Kreuzung von zwei
    Hauptverkehrsstraßen, gibt es in Shiprock übrigens nicht ein einziges Hotel oder Motel. Die einzige Möglichkeit dort
    zu übernachten, ist im Camper oder Wohnmobil. Vor der Abfahrt brachte ich noch zwei Packungen Antibiotika zu den
    Leuten neben uns auf dem Campingplatz, denn es stellte sich heraus, dass der Welpe die Staupe hatte, die Leute zu
    arm waren, um den Tierarzt aufzusuchen und ihr Versuch im Tierheim Hilfe, bzw. Medikamente zu bekommen, daran
    gescheitert war, dass das Tierheim „bis auf Weiteres“ geschlossen war.

    Zwischen Shiprock und Farmington verließen wir das Navajo Nation Indianerreservat und kehrten ins Amerika von
    heute zurück.

    Nächste Station: Navajo Lake State Park, nordöstlich von Farmington, New Mexiko. Navajo Lake ist ein Stausee mit
    mehreren Campingplätzen. Wir kamen gegen 18 Uhr auf dem Cottonwood Campingplatz an. Leider saßen wir dort
    total im Funkloch und weder FedEx, noch UPS beliefert diesen Campingplatz, ganz zu schweigen vom normalen
    Postdienst. Cottonwood Campingplatz liegt unterhalb des Staudamms am San Juan Fluß und ist an den Wochenenden
    ein beliebtes Ziel für all die Angler, die mit ihren komischen, wasserdichten „Stiefelhosen“ stundenlang im Fluss
    stehen und angeln. Die anderen Angler, die lieber im Boot sitzen und ihre Leinen in den See auswerfen, ziehen den
    Pine Campingplatz oberhalb des Staudamms vor. Da FedEx, UPS und auch die Post dorthin liefern und  das
    Mobilfunknetz dort funktioniert, beschlossen wir zum Pine Campingplatz umzuziehen, denn wir hatten seit Februar
    keine Post mehr bekommen und Michael versicherte uns, dass der Postberg ziemlich angewachsen war. Auch gab es
    ein paar Dinge, die wir im Internet bestellen wollten. Also packten wir noch einmal alles zusammen und zogen für die
    uns nun bevorstehenden drei Wochen auf Stellplatz 33 im Pine Campingplatz, dem Hauptcampingplatz des Navajo
    Lake State Parks (siehe Fotoalbum). Uns persönlich gefiel der Cottonwood Campingplatz viel besser, die Stellplätze
    waren großzügiger angelegt, länger, breiter und nicht so eng beieinander, aber zu dieser Jahreszeit kommen nicht
    so viele Camper, sogar an den Wochenenden hält es sich in Maßen und somit blieben die Stellplätze um uns herum
    meist leer.
    An unserem ersten Abend am Stausee machte ich mit Lobo einen Spaziergang zum See hinunter und er hatte viel
    Spaß im Wasser, aber der Rückweg war eine ziemliche Tortour. Seine Hinterläufe sind so schwach, dass ich ihn zum
    Teil den Berg hinaufschieben musste, während er immer wieder versuchte die leichtere Variante (= bergab) zu
    wählen. Als wir endlich unter großen Mühen zum Wohnmobil zurückgekehrt waren, erwartete uns Chuck neben einem
    lodernden Lagerfeuer, über welchem wir unseren Kabeljau zum Abendessen grillten.
    Der nächste Abend (15. April) endete beinahe mit einer Katastrophe. Wir waren den ganzen Tag auf dem
    Campingplatz geblieben, hatten ziemlich spät zu Abend gegessen und es war schon so um 23:00 Uhr, als ich mit der
    Küche fertig war. Chuck ging raus um den Abwassertank zu leeren und Lobo war auch draußen, damit er vor dem zu
    Bett gehen noch einmal pinkeln gehen konnte. Chuck machte sich mit dem Abwasser zu schaffen und als er fertig
    war, konnte er Lobo nirgends finden. Da Lobo sich nie weit von uns entfernt, schien das Anfangs kein Problem. Aber
    er tauchte auch nach längerer Zeit nicht auf und da gingen wir auf die Suche. Lobo ist ziemlich schwerhörig, rufen
    nützt kaum, weil er es ja doch nicht hört, also waren wir auf unsere Augen angewiesen. Nach einer Weile holte ich
    beide Handys, gab eins zu Chuck und wir begannen größere Runden zu drehen. Ich ging zum See runter. Im Dunkeln,
    auf dem engen, steilen Pfad war das nicht ganz ungefährlich. Als ich in der direkt unter uns liegenden Bucht ankam,
    hörte ich vom See her kurzes Bellen. Ich ging in die entsprechende Richtung, sah aber nichts. An den Seiten der
    Bucht ist viel Gestrüpp und plötzlich hörte ich wieder etwas, ziemlich verzweifelte „Hundetöne“; Bellen konnte man
    es nicht nennen. Ich fuchtelte mit meiner Taschenlampe durch die Gegend und sagte immer wieder laut seinen
    Namen. Plötzlich sah ich etwas, das sich im Gestrüpp bewegte. Ich erkämpfte mir den Weg dorthin und Lobo
    versuchte aufzustehen, bekam aber sein Hinterteil nicht hoch. Ich rief Chuck an, beschrieb ihm den Weg zu uns und
    bat ihn, eine Decke mitzubringen, damit wir Lobo hoch tragen könnten. Als ich in der Ferne den Schein von Chucks
    Taschenlampe sah, machte ich meine wieder an, um ihm den Weg zu weisen. Das Gestrüpp, in dem wir standen,
    bestand aus Spitzkletten. Als Chuck ankam, war er übersät damit. Ich hatte sie an den Beinen, Schuhen, einfach
    überall! Lobo hatte tausende! Sie hatten sich so in sein Fell vergraben und in den langen Haaren seines Schwanzes
    verfangen, dass er deswegen im Gestrüpp hing und wir mussten ihn erst befreien. Aber sein Hinterteil bekam er
    trotzdem nicht hoch. Irgendwie gelang es uns, ihn mit der Decke und Gurten zum Strand zu bringen und in den Sand
    zu legen. Nach mehreren Versuchen weiterzugehen, wurde uns bewusst, dass wir ihn ohne ein Fahrzeug, eine
    Schuppkarre oder dergleichen nie und nimmer den steilen Berg hoch tragen könnten und Chuck zog los, um Hilfe zu
    holen. Zwischenzeitlich war es weit nach Mitternacht. Ich blieb bei Lobo, deckte ihn mit der Plane zu, die Chuck
    gebracht hatte, denn es hatte angefangen zu schneien. Mir wurde immer kälter und ich schlotterte am ganzen Leib.
    Chuck rief an, er konnte das Wohnmobil des Campinghosts nicht finden und ich gab ihm telefonische Anweisungen.
    Endlich kam er dort an, weckte den Mann auf und beschrieb unsere Lage. Er erfuhr, dass es noch einen zweiten,
    sehr steilen und steinigen, aber etwas breiteren Pfad in die Bucht gab, auf diesem kam Chuck zurück und kurze Zeit
    darauf erschien der Mann mit seinem Kleintraktor über den selben Pfad. Wir luden Lobo auf die Ladefläche des
    Fahrzeugs und fuhren den Weg zurück. Ich schwitzte Blut und Wasser! Es war die schlimmste Fahrt meines Lebens,
    es schneite wie verrückt und zwischendurch mussten wir aussteigen und den Traktor schieben, weil es so steil war
    und ohne unser extra Gewicht leichter ging. Endlich waren wir wieder oben, der Mann brachte uns zum Wohnmobil
    zurück, Chuck hob Lobo vom Traktor ins Wohnmobil und dann schnitten wir bis 3 Uhr früh an seinem Fell herum, um
    die Spitzkletten herauszuschneiden. Die tun nämlich weh, wenn man darauf liegt. Wir hatten Handschuhe an, weil es
    auch weh tut, sie nur anzufassen. Es gelang uns in dieser Nacht nur teilweise, sie zu entfernen. An den kritischen
    Stellen war Lobo recht unruhig, wenn wir daran herumschnippelten. Außerdem sind wir um 3 Uhr früh vor
    Erschöpfung fast zusammengebrochen.
    Er hat sich in der Zwischenzeit von dem Erlebnis ganz gut erholt. Allerdings sind seine Hinterläufe extrem schwach.
    Neulich morgen ist er beim Kacken zusammengebrochen, gerade als die Wurst raus kam. Er wäre beinahe darauf
    gefallen. Er kam auch nicht alleine wieder hoch und ich musste ihm unter den Bauch greifen und hochheben. Dann
    watschelte er weiter. Nachdem wir sein Fell tagelang bearbeitet hatten, um die Spitzkletten aus seinem Fell und
    Schwanz zu schneiden, schaute er dann wie ein gerupftes Huhn aus. Die Schwanzhaare sind fast alle weg. Kein
    besonders schöner Anblick! (siehe Fotoalbum).
    Wir vermuten, dass er an dem Abend, als es passierte, zum Pinkeln in die Büsche am Abhang ging und da er
    Probleme mit dem bergauf gehen hat, ist er halt bergab gegangen. Wahrscheinlich ist er auch ein paar mal über den
    einen oder anderen kleinen Felsvorsprung ins Gestrüpp darunter gefallen und letztendlich in der Bucht gelandet,
    total erschöpft und zu schwach, sich selbst von den Kletten zu befreien.

    Am Freitag danach sind wir dann nach Farmington zum Einkaufen gefahren und haben dem Campinghost, Lobos
    Retter in der Not, eine riesige Schachtel Pralinen der Edelklasse gekauft, denn seine Frau sagte, als wir uns
    erkundigten, dass er gerne Süßigkeiten isst. Sie wurden dankend angenommen und sehr wenige Tage später fand
    Chuck die große, leere Schachtel in der Mülltonne, als er unseren Müll hinbrachte.  Die Pralinen scheinen geschmeckt
    zu haben!

    Übers Wochenende und bis zur Mitte der Woche blieben wir auf dem Campingplatz. Chuck fühlte sich ab und an
    nicht so besonders, Lobo brauchte auch seine Ruhe und wir hatten genug alltäglichen Kleinkram zu erledigen. Wir
    hatten ein paar Sachen im Internet bestellt, die trafen so nach und nach ein, unsere Post aus Fort Wayne, die
    Michael uns nachgeschickt hatte, kam an und da gab es so einiges zu tun.

    Doch am Mittwoch (22. April) waren wir wieder auf Achse! Immer noch auf den Spuren der Anasazi, ging unser
    Tagesausflug über Durango, Colorado zum „Mesa Verde Nationalpark“  etwa 65 km westlich von Durango (siehe
    Fotoalbum). Wir waren zeitig aufgestanden, denn wir wollten nach unserem Besuch im Park auch noch mit der
    historischen Schmalspur Eisenbahn von Durango nach Silverton fahren, aber als wir nachmittags am Bahnhof
    ankamen, erfuhren wir, dass die Fahrt während der Wintermonate nur einmal am Tag stattfindet und das bereits
    um 10 Uhr morgens. Erst ab Mai werden auch wieder andere Abfahrtszeiten angeboten, aber alle früh am Morgen,
    die späteste um 10:15 Uhr, letztere mit Rückkehr um 18:15 Uhr. Durchschnittsdauer des Ausflugs: 8 Stunden. Ein
    logistisches Problem für uns, denn Hunde dürfen nicht mitfahren und so viele Stunden lassen wir Lobo nicht alleine.
    Dies trug dazu bei, dass wir uns entschieden, diese Fahrt auf einen viel späteren Zeitpunkt zu verlegen. Wir
    kommen sicher irgendwann mal wieder nach Durango. Da wir erst letzten Monat in Globe, Arizona mit einer
    historischen, wenn auch nicht ganz so alten Eisenbahn, wie die in Durango, gefahren waren (wir berichteten darüber
    im März Reisebericht), empfanden wir unseren Entschluss auch nicht als ein großes Opfer. Wir besichtigten
    stattdessen die Altstadt von Durango, gingen mit Lobo in einen Park am Fluss und bevor wir unsere Rückfahrt zum
    Campingplatz am Navajo See antraten, statteten wir einem Supermarkt einen Besuch ab. Unterwegs hielten wir noch
    einmal, beim „Patio Restaurant“ in Ignacio, Colorado, wo die Bedienung sehr freundlich, das Ribeye Steak gut und das
    gemischte Gemüse total zerkocht war. Das Salatbuffet war in Ordnung.

    Am Freitag kam per UPS unsere neueste Errungenschaft, eine Campinggefriertruhe (kann auch als
    Campingkühlschrank benützt werden; nicht beides zusammen, immer nur das eine oder andere), die automatisch von
    Netzstrom und 12 V umstellt, wenn wir keine Stromversorgung haben. Das kleine Gefrierfach unseres
    Kühlschranks, der entweder mit Propangas oder Strom läuft, war oftmals nicht ausreichend. Nun haben wir mehr als
    die doppelte Gefrierkapazität im Gegensatz zu vorher. Wenn man längere Zeit im Hinterland herumkurvt, kann man
    das gut gebrauchen!

    Tags darauf war ein zwar sonniger, aber recht windiger Tag. Wir fuhren zu den Aztec Ruinen, die zwischen unserem
    Campingplatz und Farmington liegen. Dort feierte man an diesem Samstag außerdem „Earth Day“ mit dem Thema
    “Aus der Vergangenheit lernen und die Verantwortung für die Zukunft übernehmen“. Viele Buden und Stände mit
    innovativen Ideen in Sachen Recycling und Umweltschutz waren aufgebaut worden, aber im Laufe des Nachmittags
    gaben die meisten wegen des starken Windes auf und packten ihre Siebensachen frühzeitig ein. Das passiert in New
    Mexico oft, dass ein Fest „vom Winde verweht“ wird. Im Aztec Ruins National Monument Museum wurde außerdem
    ein Vortrag über Navajo Lebensweise und Spiritualismus angeboten, der von einem Universitätsprofessor, ein
    vollblütiger Navajo, gehalten wurde. Wir setzten uns eine Weile mit in den Vortragsraum und versuchten zuzuhören,
    aber der Mann sprach zu leise für den Geräuschpegel um uns herum. Wir saßen zu weit hinten und gaben nach einer
    Weile auf und schauten uns die Ruinen an (siehe Fotoalbum).

    Am Sonntag machten wir eine Spazierfahrt, die eigentlich um den Navajo See gehen sollte, aber da gibt es kaum
    Straßen die am Ufer entlang oder zum Ufer hinführen und wir wurden „abgetrieben“. Wir machten stattdessen
    einen Spaziergang mit Lobo (siehe Fotoalbum) und fuhren nach Bloomfield, wo sich die „Salmon Ruins“ (auch wieder
    Anasazi Ruinen) befinden, aber als wir ankamen, waren sie bereits geschlossen.  

    Außer einer Einkaufsfahrt nach Farmington am Dienstag, war der Sonntagsausflug unser letzter. Die restlichen
    Apriltage verbrachten wir auf dem Campingplatz.

    Fortsetzung folgt…..