Betreff: ***Der e-florida Newsletter*** (März 2004)
  Datum: Wed, 24 Mar 2004
    Von: news@e-florida.de
 
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"CHICKEN CATCHER" ERREGT GEMÜTER IN KEY WEST
Wie "Superman" aufsteigend aus einer Telefonzelle tritt Armando Parra aus
dem Badezimmer seines ehemaligen Frisörladens, das er in das Hauptquartier
des Hühnerfängers von Key West umgewandelt hat, hingebungsvoll bereit, die
Stadt von der Geflügel-Plage zu befreien. Für die Einen ist Parra ein
Held, beauftragt, die Stadt von einem Plagegeist zu befreien, der Rasen
zerstört, sich in Privathäuser schleicht, in Weihnachts-Bäumen nisted und
in seinem Gefolge eine unappetitliche Spur von Exkrementen hinterläßt. Für
die Anderen ist er ein Schurke, der ahnungslose, heißgeliebte, farbenfrohe
Gockel und Hühner in den Straßen Key Wests fängt, wo sie Touristen und
Anwohner gleichermaßen als Local-Colorit erfreuen. Angetan mit Shorts und
wehendem Hemd mit dem Emblem "Key West Chicken Catcher" steigt der
63-jährige Parra in seinen zweifarbig-blauen Van und startet eine weitere
Nachmittagsrunde.
 
Parra hat in den wenigen Wochen seit Beginn seiner Tätigkeit als Key Wests
einziger und amtlich bestallter Hühnerfänger mehr als 90 Tiere
eingefangen, die munter durch den Straßenverkehr spazieren, in Mangroven
nisten oder Besucher beim Drive-Thru des lokalen KFC begrüßen. Die Stadt
stimmte in Januar überein, Parra $20 für jedes Plage-Huhn zu zahlen, die
er bis zum 30. September fängt. Sein Limit sind 900 Tiere oder 18.000,-
Dollar. Alle paar Wochen werden die per Falle gefangenen Tiere gesammelt
und zu einem 400-Morgen großen Bauernhof in Miami-Dade County gebracht, wo
sie bei guter Verpflegung aber weniger Entertainment den Rest ihrer Tage
verbringen.
 
Geschätzte rund 2.000 Hähne und Hennen nebst Aufzucht bevölkern die
Straßen von Key West. Um weiterhin ein charmanter Teil des Stadtbildes
sein zu können und nicht zur echten Plage auszuarten, entschieden die
Stadtväter ihre Anzahl zu halbieren. Geflügelfreunde und -gegner brüteten
im Rahmen der lebhaft geführten Debatte inzwischen Pläne aus für das erste
"Chicken Festival" im Sommer diesen Jahres mit einer "Geflügel-in-
Bewegung-Parade" (Poultry in motion parade) und "Schmeckt-wie-Geflügel-
Kochwettbewerb Party" (Tastes like Chicken Cook-off party). Katha Sheehan,
auch als "Chicken Lady" von Key West bekannt, weil sie eine lokale
Rettungsstation für verletzte Hühner betreibt, billigt die Fangmethoden
der Stadt nicht. Sie hat bereits mehr als 4.000 Unterschriften für einen
Antrag gesammelt, der die Stadt drängt, den wilden Hühnern weiterhin das
Umherlaufen auf den Straßen von Key West zu erlauben. "Sie werden Eier auf
ihrem Gesicht haben, wenn wir keine Hühner mehr auf den Straßen haben,
wenn das Chicken Fest stattfindet", schimpft Sheehan.
 
Parra, der nur noch gelegentlich in seinem Friseurladen anzutreffen ist
und seine eigenen geflügelten Haustiere hält, versichert, daß er keine
Absicht hat alles verirrte Geflügel der Stadt zu fangen. Als offizieller
"Chicken Catcher" bekommt Parra eine Beschwerdeliste von der Stadt mit den
Namen und Adressen von Bewohnern, die unerwünschtes Geflügel auf ihrem
Grundstück haben. Die Hühner werden in einer mit Köder-Futter
ausgestatteten Metallkiste gefangen. Sobald ein Huhn den Boden des Käfigs
betritt, fällt hinter ihm eine Falltür zu. Am nächsten Tag sammelt Parra
seinen Fang ein und befördert seine Beute zur Farm. Parra, in dritter
Generation einheimisch in Key West, erläutert, daß er eine Leidenschaft
für Hühner entwickelte, als er ein Paar von ihnen zu seinem achten
Geburtstag geschenkt bekam. Er vermutet, daß die wilde Hühner-Bevölkerung
der Stadt startete, nachdem "cockfighting", die in den meisten Südstaaten
zwar verbotenen aber hier und da immer noch insgeheim veranstalteten
Hahnenkämpfe, verboten wurden. Zusätzlich wurde mit dem Einzug der
Supermärkte die Privathaltung von Hühnern für Eier und als Nahrung obsolet
mit der Folge, daß Hühner statt geschlachtet zu werden entwichen und sich
im angenehmen Klima Floridas ohne natürliche Feinde munter vermehrten.
Angesichts dieser paradiesischen Zustände, der kontollierten Fürsorge der
Stadtväter und der - allerdings nicht uneingeschränkten - Beliebtheit
dürften "Chickens" auch in der Zukunft zum unverwechselbaren Stadtbild Key
Wests gehören.
 
 

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